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Abfall, Natur, Tiere und Umwelt
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Naturobjekt des Monats

Hier möchten wir Ihnen gerne jeden Monat ein Naturobjekt im Landkreis Leer vorstellen.

 

Juli 2017: Wiesenweihen im Landkreis Leer

Vielen ist bekannt, dass der Landkreis Leer mit seinen feuchten Grünlandflächen deutschlandweit einen Schwerpunktraum für das Vorkommen und den Erhalt von Wiesenvögeln bildet.

Aber auch besondere Greifvögel fühlen sich hier wohl, darunter die Wiesenweihe. Von 124 Wiesenweihen-Meldungen, die in 2015 bei der Staatlichen Vogelschutzwarte eingingen, stammten immerhin 6 aus dem Kreisgebiet. Beachtlich ist dabei auch die Entwicklung der Bestandszahlen seit 2003:

Jahr ´03 ´04 ´05 ´06 ´07 ´08 ´09 ´10 ´11 ´12 ´13 ´14 ´15
LK Leer 0 3 2 6 11 8 5 10 12 11 7 4 6
Summe Nds 56 80 105 98 133 133 138 131 135 138 111 112 124
(aus: Bestand und Schutz von Wiesenweihen in Niedersachsen 2015, Tabellarischer Kurzbericht zum niedersächsischen Artenhilfsprogramm Wiesenweihe; NLWKN / Staatl. Vogelschutzwarte)

Die Wiesenweihe ist ein schlanker Greifvogel, etwas kleiner als der bekannte Mäusebussard. Die Männchen haben eine blaugraue Färbung mit schwarzen Flügelspitzen. Die Weibchen sind bräunlich mit weißem Bürzel.

Wiesenweihen bevorzugen offene Habitate. Früher bestand ihr Lebensraum in Mooren, Heiden und feuchten Wiesenarealen. Da diese Flächen immer seltener werden, finden sich Wiesenweihen heute vor allem in Ackerlandschaften. Auch im Landkreis Leer besiedeln sie vor allem Ackerflächen im Polder. Die Hauptnahrung bilden Mäuse, mit schwankendem Mäusebestand schwankt dementsprechend auch der Weihenbestand.

Da sie Bodenbrüter sind und ihre Brut und Jungenaufzucht häufig in die Erntezeit fällt (ca. Mai bis Juli), ist die Gefahr groß, dass der Nachwuchs unter die Erntemaschinen gerät. Daher ist zum Schutz und Erhalt der Wiesenweihen die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft wichtig.

Nest der Wiesenweihe in einem Kornfeld
© V. Günther 

Zum Schutz der Wiesenweihen werden von Behörden und Naturschutzverbänden vielfach Projekte ins Leben gerufen. In Niedersachsen gibt es z. B. seit 2003 ein Artenhilfsprogramm der Staatlichen Vogelschutzwarte. Ziel des Projektes ist es, den Bestand zu erfassen, die Neststandorte zu lokalisieren und soweit möglich geeignete Maßnahmen zum Schutz der Bruten in Absprache mit den Landbewirtschaftern zu treffen. So werden beispielsweise bekannte Nester abgeflockt oder ausgezäunt. Dadurch kann der Bewirtschafter bei der Bestellung des Ackers erkennen, wo sich das Nest befindet und so einen Bereich aussparen. Zum Teil werden auch Drahtkörbe oder Elektrozäune benutzt, um zu verhindern, dass Eier oder Küken anderen Tieren zum Opfer fallen. Wie die oben dargestellte Tabelle zeigt, hat dies in den vergangen fast 15 Jahren zu einer positiven Bestandsentwicklung geführt.

Wiesenweihe-Küken
© V. Günther 

In einem weiteren Projekt des niederländischen Vereins „werkgroep grauwe kiekendief“ werden auch seit einigen Jahren Weihen mit Sendern ausgestattet. Auf diese Weise lassen sich Aufschlüsse zu Jagd- und Zugverhalten ziehen. Unter dem folgendem Link kann man sich beispielsweise die Zugrouten genauer anschauen:

http://werkgroepgrauwekiekendief.nl/

Hier erkennt man auch sehr anschaulich, dass Wiesenweihen Langstreckenzieher sind und vorwiegend in Afrika überwintern. Außerdem weiß man aus derartigen Untersuchungen, dass das Jagdrevier, in dem die Wiesenweihen nach Nahrung suchen, bis zu 15 km von den Nestern entfernt liegen kann.

Neben Wiesenweihen kommen hierzulande noch Korn- und Rohrweihen vor. Letzte brüten in Röhrichtbeständen und kommen im Landkreis Leer noch vergleichsweise häufig vor. Die Kornweihen hingegen sind wirklich rar geworden. Im westlichen Rheiderland, nahe der holländischen Grenze, kann jedoch in den letzten Jahren die Rückkehr von Einzelexemplaren vermeldet werden.




Juni 2017: Naturdenkmale im Landkreis Leer 

Der Landkreis kann per Verordnung besondere Bäume oder Baumgruppen als Naturdenkmale sichern. Voraussetzung ist, dass es sich um Exemplare oder Gruppen handelt, die wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit besonders erhaltenswert sind bzw. die eine Bedeutung für die Wissenschaft oder Natur- und Heimatkunde haben. Dies kann z.B. ein ortsbildprägender Baum in der Dorfmitte sein, ein Baum, der schon in früherer Zeit für bestimmte Bräuche von Bedeutung war (z.B. ein „Tanzbaum“). Manchmal deuten Bäume oder Baumgruppen auch als Relikte auf bestimmte historische Plätze oder Orte hin (ehemalige Friedhöfe) oder sie sind wegen ihrer besonderen Form, des Wuchses oder des Alters besonders schön oder selten. Auch ein Findling kann die Voraussetzungen für ein Naturdenkmal mit sich bringen.

Friedenseiche in Remels

Die Friedenseiche in Remels wurde anlässlich des Krieges 1870/71 zum Gedenken an die Gefallenen als sogenannte „Friedenseiche“ gepflanzt. Neben dieser Funktion als symbolisches „Denkmal“ ist dieses Exemplar inzwischen ein Baum, der nicht nur das Ortsbild in der Ortsdurchfahrt besonders prägt, sondern wegen Entwicklung des Straßenverkehrs einer Vielfalt an Gefährdungen ausgesetzt ist. Der Schutz als Naturdenkmal besteht seit 1948.

Die rechtlichen Voraussetzungen für die Ausweisung eines Naturdenkmals bildet der § 28 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) zusammen mit dem § 21 des Niedersächsischen Ausführungsgesetzes (NAGBNatSchG). Vorschläge für neue Naturdenkmale kommen von den ortskundigen Mitarbeitern der Naturschutzbehörde, aber auch von Naturschutzverbänden, Grundstückseigentümern oder anderen, naturverbundenen Bürgern. Zunächst werden dann die Voraussetzungen geprüft. Werden diese als erfüllt bestätigt, so können sie den politischen Gremien zur Verordnung vorgeschlagen und schließlich festgesetzt werden. Danach sind die Beseitigung sowie alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturdenkmals führen können, verboten. Der Schutzzweck und die Schutzbestimmungen für die einzelnen Objekte sind in der jeweiligen Verordnung näher benannt. Dort sind auch Freistellungen von den Vorschriften und Befreiungen von den Verboten definiert und Pflichten für Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen geregelt.

Im Landkreis Leer wurde in diesem Frühjahr eine überarbeitete Verordnung vom Kreistag beschlossen. Insgesamt gibt es hier nach neuem Stand derzeit 73 Naturdenkmale. Sie setzen sich aus insgesamt 10 Findlingen und 269 Bäumen zusammen.

Für die Grundstückseigentümer bedeutet das auf der einen Seite zwar Einschränkungen, auf der anderen Seite ist der Landkreis für die Durchführung und Finanzierung der Pflegemaßnahmen verantwortlich.

Häufig wird die Frage gestellt, ob nicht viel mehr Bäume als die vorhandenen Naturdenkmäler schützenswert sind. Leicht lassen sich geeignete Gehölze benennen, die es verdienen, ebenfalls geschützt zu werden.

Zunächst müssen die o.g. Kriterien erfüllt sein. Die denkmalwürdigen Bäume müssen sich von anderen – auch schützenswerten – Bäumen als „besonders“ absetzen.

Als nächstes ist zu klären, ob nicht vielleicht schon ein ausreichender Schutz gegeben ist. Bäume auf Wallhecken haben bereits durch den gesetzlichen Schutz der Wallhecke einen bestehenden Schutz. In einigen Kommunen gibt es darüber hinaus eine Baumschutzsatzung, die je nach Satzung bereits den Naturdenkmalen vergleichbare Vorschriften für schützenswerte Bäume beinhaltet. In diesen Fällen kann i.d.R. auf eine Unterschutzstellung verzichtet werden. In der Vergangenheit wurden in solchen Fällen auch Naturdenkmale in die Zuständigkeit der Kommune zurückgegeben, um eine bürokratische Überversorgung abzubauen.

In Bauleitplanungen haben die Kommunen zudem die Möglichkeit, einzelne Bäume, die für das Ortsbild prägend und erhaltenswert sind als „zu erhalten“ festzusetzen. In den textlichen Festsetzungen lassen sich dann Verbote und Schutzmaßnahmen regeln.

Ist im Ergebnis einer Prüfung keine der genannten Schutzregularien vorhanden und kommt einem Baum, einer Baumgruppe o.ä. aufgrund seiner Seltenheit, Eigenart oder Schönheit bzw. seiner Bedeutung für die Wissenschaft oder Natur- und Heimatkunde eine nachweislich herausragende Funktion zu, ist ein Vorschlag als Naturdenkmal sinnvoll und erfolgversprechend.

 

 

Mai 2017: Was blüht denn da? Roter Hartriegel!

Im Frühjahr erfreuen uns viele heimische Strauch- und Gehölzarten mit ihrer Blüte. In unseren Breiten gehört im Mai auch der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) dazu.

Er wächst in ganz Europa – vor allem im Tiefland, aber auch bis in die Alpen; man findet ihn in Strauchhecken, an Waldrändern, hin und wieder auch in artenreichen Wäldern, aber auch in Hausgärten. Der Hartriegel ist sehr anspruchslos, er kommt mit verschiedensten Böden zurecht, auf trockenen und feuchten Standorten, bei sauren, aber auch alkalischen pH-Werten. Das Gehölz verträgt starken Frost, aber auch Hitze, Sonne, aber auch Schatten, Wind aber auch das extreme Klima in der Stadt.

Westerwieke: Im Juli /August prägen Blutweiderich und Mädesüß das Bild des Gewässers.

Nicht nur die weißen, etwas unangenehm riechenden Blüten, die im Mai und Juni als Bienenweide dienen, fallen auf. Im Herbst gibt es ein regelrechtes Feuerwerk, wenn die Blätter gelb und weinrot leuchten. Dann werden auch die Steinfrüchte reif. Viele heimische Vogelarten (z.B. Sing- und Wacholderdrossel, Amsel, Rotkehlchen, Dorngrasmücke und Blaumeise) suchen die Hartriegel zur Nahrungssuche auf, sei es wegen der Früchte oder auf der Suche nach Insekten und Spinnen. Manchmal sieht man große Gruppen von Staren „einfallen“.

Die Früchte mit hohem Vitamin C-Gehalt sind für Menschen kaum bzw. nur schwach giftig - wegen ihres bitteren Geschmacks roh aber auch nicht genießbar. Früher wurden sie aber als Zutat für Fruchtsäfte und Marmeladen verwendet. Das Öl der Samen fand sogar Verwendung für Öllampen.

Auch im Winter zieren die Sträucher durch ihre gleichmäßige Rotfärbung der jungen Zweige. Dann bieten sie mit ihrem engstehenden Astwerk vielen Tieren Schutz.

Westerwieke: Im Juli /August prägen Blutweiderich und Mädesüß das Bild des Gewässers.

Da die Wurzeln ein enges Feinwurzelwerk im Oberboden und dazu auch Wurzelausläufer bilden, finden Hartriegel heute auch Verwendung in der sogenannten Vegetationstechnik. Sie stabilisieren Böschungen und Hänge (z.B. an Straßen und Autobahnen) und schützen vor Abrutschen und Ausspülen des Erdreichs.

Der Hartriegel wird nicht nur in freiwachsenden Hecken, als Bienenweide und zur Bepflanzung als Böschungssicherung verwendet, sondern aufgrund seiner zierenden Farbaspekte in den verschiedenen Jahreszeiten auch in Hausgärten. Dort findet man auch andere, bei uns nicht heimische Cornus-Arten und gärtnerische Sorten wie z.B. den weißen Hartriegel (Cornus alba) oder auffällig zierende Formen aus Nordamerika und Asien wie z.B. Blumen-Hartriegel (Cornus florida und Cornus kousa) und Pagodenhartriegel (Cornus controversa).

Im deutschen Sprachraum gibt es in den verschiedenen Regionen unterschiedlichste Namen. Unsere Bezeichnung “Roter Hartriegel“ stammt einerseits von der auffällig roten Herbstfärbung und der roten Rindenfärbung und andererseits von dem harten, zähen Holz.

Zusammengefasst ist die Gattung der Hartriegel (Cornus), zu der auch die heimische Kornelkirsche gehört (Cornus mas), wegen der Anspruchslosigkeit und Vielseitigkeit sowohl für die Pflanzenverwendung im gestalterischen und technischen Bereich als auch für den Naturschutz von hoher Bedeutung.

 

April 2017: Wieken in Moormerland

Der Landkreis Leer wird abwechslungsreich von verschiedenen Landschaftseinheiten (Moor-Marsch-Geest) geprägt. Diese sind auch Zeugnis der vergangenen Siedlungs- und Bewirtschaftungsformen. In den Hochmoorgebieten erfolgte dabei nach niederländischem Vorbild eine Nutzung, die durch lange geradlinige Gräben und begleitende Siedlungsbereiche die Fehnkultur belegen. Zur Kultivierung wurden schiffbare Kanäle, sogenannte Wieken, gegraben, wobei von einem Hauptkanal aus ein Netz kleinerer Gräben abging.

Westerwieke: Im Juli /August prägen Blutweiderich und Mädesüß das Bild des Gewässers.
Hookswieke im Frühjahr

Die Fehnstruktur ist in der Gemeinde Moormerland unter anderem mit Hooks-, Georgs- und Rudolfswieke-, Alte- und Neuebeek, Jheringsfehnkanal (Westerwieke) sowie Warsingsfehnkanal (Hauptwieke) und den abzweigenden kleineren Gräben besonders gut erhalten geblieben. Allerdings wurden auch viele Wieken für die Anlage von Straßen verfüllt (z.B. Hemme-Janssen-Straße).

Gewässer, zu den auch die Wieken und kleinen Gräben gehören, sind als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen (§ 1 und § 6 Wasserhaushaltsgesetz). Dies findet sich auch in § 1 des Bundesnaturschutz-gesetzes wieder. Gewässer stellen wichtige Überlebensnischen für viele Tier- und Pflanzenarten feuchter und nasser Standorte dar und sind ein bedeutsames Element des Biotopverbunds. Nährstoffreiche Wieken weisen Vorkommen von Wasserschwaden, Wasserfeder, Froschbiss, weißer Seerose, gelber Teichmummel, Schilf, Krebsschere, Laichkräutern u.a. auf. An Wiekenböschungen können auch schutzwürdige Fragmente von Sumpf-, Grünland- oder Magerrasenvegetation vorkommen, mit Arten wie z.B. gelber Wiesenraute, Sumpfdotterblume, Sumpf-Schwertlilie und Wasser-Ufersegge. Auf nährstoffreichen Wiekenböschungen wächst häufig das Weidenröschen.

Hookswieke im Frühjahr
Westerwieke: Im Juli /August prägen Blutweiderich und Mädesüß das Bild des Gewässers.

Viele der genannten Pflanzen gehören zum Biotoptyp des Landröhrichts. Je nach Dominanz der Röhrichtarten unterscheidet man Schilf-, Rohrglanzgras-, Rohrkolben-, Wasserschwaden-, Teich- und Strandsimsen- sowie Sonstige Landröhrichte. Auch das Vorkommen der Schwanenblume deutet auf ein Röhricht hin.

Hookswieke: Die Schwanenblume blüht von Juni bis August.
Hookswieke: Die Schwanenblume blüht von Juni bis August.

Viele Tierarten des Röhrichts sind für die Überwinterung bzw. Besiedlung auf stehende Halme des vergangenen Jahres angewiesen. Eine ausreichende Menge muss sichergestellt werden. Nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, Röhrichte in der Zeit vom 1. März bis 30. September zurückzuschneiden. Vom 1. Oktober bis 28./29. Februar darf Röhricht nur in Abschnitten zurückgeschnitten werden. Zusätzlich ist der Artenschutz zu berücksichtigen, da es u.a. verboten ist, wild lebende Tiere zu beunruhigen, zu verletzen oder zu töten, wild lebende Pflanzen niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten und Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören.


Das Grünfüßige Teichhuhn mit Jungtieren am Gewässerrand.
Das Grünfüßige Teichhuhn mit Jungtieren am Gewässerrand.

Die Wieken bieten Tieren einen vielfältigen Lebensraum. Häufig sieht man Stockenten, Bläss- und Teichhühner am Gewässerrand brüten. Aber auch seltenere Arten wie Haubentaucher, Knäk-, Reiher- und Löffelente können beobachtet werden. Die Uferschnepfe kommt, dort wo feuchte Grünlandflächen an die Wieken angrenzen, um nach Nahrung zu stochern. Das Schilf bietet Sumpfrohrsänger und Rohrammer einen idealen Lebensraum. Der Graureiher geht sogar in den bebauten Bereichen auf Nahrungssuche, da in den Wieken verschiedene Amphibien und Fischarten vorkommen. Im Warsingsfehnkanal wurden z.B. 16 Fischarten nachgewiesen, die an wärmere Wassertemperaturen angepasst sind. Der überwiegende Teil der Arten laicht an Pflanzen oder am Boden ab. Die ausgedehnten Bestände der gelben Teichrose dienen als Laich- und Einstandsplätze für Jungfische. Sie sind bevorzugte Bereiche zur Nahrungsaufnahme. Nachgewiesen wurden besonders viele Brassen, Rotaugen und Flussbarsch, aber auch seltenere Arten wie Aal, Moderlieschen und Schleie.


Hauptwieke: reiche Pflanzenvegetation mit gelber Teichmummel und Sumpf-Schwertlilie. Laich- und Einstandsplatz für Jungfische.
Hauptwieke: reiche Pflanzenvegetation mit gelber Teichmummel und Sumpf-Schwertlilie. Laich- und Einstandsplatz für Jungfische.

An Amphibien finden sich überwiegend Erdkröten, in Moormerland vielfach zudem Seefrösche und hin und wieder Teichmolche.

Altebeek: Der Amphibienzaun und der unermüdliche Einsatz von Anwohnern rettet jährlich das Leben vieler Erdkröten, die in den angrenzenden Gehölzbeständen überwintern und zum Laichen in die Altebeek wandern.
Altebeek: Der Amphibienzaun und der unermüdliche Einsatz von Anwohnern rettet jährlich das Leben vieler Erdkröten, die in den angrenzenden Gehölzbeständen überwintern und zum Laichen in die Altebeek wandern.

Die Wieken sind Lebensraum für Libellen. Neben Rote-Liste-Arten wie der Frühe Schilfjäger kommen Arten wie die Gemeine Binsenjungfer, die Frühe Adonislibelle, die Große Pechlibelle oder die Blaugrüne Mosaikjungfer vor. Aufgrund der Strukturen wird von 15-20 verschiedenen Arten ausgegangen, eine genaue Kartierung liegt allerdings nicht vor. Die Lebensdauer der Libellen ist sehr unterschiedlich. Die Larven einiger Arten benötigen bis zu drei Jahre im Gewässer, bevor die Libelle schlüpft. Kleinlibellen leben nur eine bis wenige Wochen, Großlibellen bis zu 3 Monaten. Die Arten sterben mit den ersten Frösten im Herbst.

In einigen Gewässern, wie der Altebeek und der Westerwieke, wächst seit einigen Jahren die Krebsschere, an die die Libellenart »Grüne Mosaikjunfger« gebunden ist.
In einigen Gewässern, wie der Altebeek und der Westerwieke, wächst seit einigen Jahren die Krebsschere, an die die Libellenart »Grüne Mosaikjunfger« gebunden ist.

Eine Besonderheit ist in vielen Wieken das Vorkommen von Teichmuscheln, die verschiedenen Vögeln als Nahrung dienen.

Die Wieken als ganzjähriger Lebensraum für Pflanzen und Tiere:

Die Wieken als ganzjähriger Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Wassersalat: Durch die Entsorgung von Pflanzen aus dem eigenen Garten oder Aquarium gelangen Neopyhten in die Gewässer oder an die Uferränder, die sich dort stark ausbreiten, da ihnen eine natürliche Konkurrenz fehlt. Wassersalat behindert stark den Wasserabfluss.
Wassersalat: Durch die Entsorgung von Pflanzen aus dem eigenen Garten oder Aquarium gelangen Neopyhten in die Gewässer oder an die Uferränder, die sich dort stark ausbreiten, da ihnen eine natürliche Konkurrenz fehlt. Wassersalat behindert stark den Wasserabfluss.


März 2017: Holunder

Es waren einmal die Gebrüder Grimm, die weltbekannte Märchen geschrieben haben. Eines handelt vom Naturobjekt dieses Monats: dem Schwarzen Holunder, botanisch Sambucus nigra, der diesen Namen von den alten Römern erhielt.

Er ist in ganz Europa verbreitet. In Bayern heißt er Holler, in der Schweiz Holder, in Italien Sambuco, in England Elder und in Norddeutschland Fliederbeere. Im Niederdeutschen kennt man zudem viele weitere Bezeichnungen: Fleeder, Fleederstruk, Ellhorn, Kittjeboom, Knallbossenhout.

Holunderblüte: die einzelnen »Blütensternchen« sind gut zu erkennen
© Petra Wiese-Liebert 

Der Holunder ist eine der wenigen, tatsächlich einheimischen Pflanzen. Er fängt früh im Jahr an neue Blätter zu treiben. Zur Blütezeit von Juni bis Juli lassen die vielen Schirmrispen den Holunder in einem Blütenmeer versinken. Im Herbst leuchten Steinfrüchte als glänzende, schwarze Holunderbeeren. Auch im Winter ist der 3 – 6 m hoch werdende Strauch / Kleinbaum durch seine überhängende Verzweigung gut zu erkennen. Die Rinde der jungen Triebe ist zudem dick und mit auffallenden Lentizellen (Korkporen) besetzt, während die alte Borke grau, tief gefurcht und korkig ist. Das Mark ist gekammert, so dass der Stängel teilweise hohl ist. Beim Reiben von Rinde und den sommergrünen, gefiederten Blättern entsteht ein unangenehmer Duft.

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Fleederstruken kommen in Ostfriesland überall vor: auf Wallhecken, im Wald, in Gehölzstreifen, an Straßenböschungen und im Garten. Weil Holunder an den Standort sehr anpassungsfähig und anspruchslos ist, findet er Verwendung zur Begrünung von Öd- und Brachflächen, als Wind-, Boden- und sogar Lärmschutz. Er gedeiht auf trockenen, sandigen Böden genauso wie auf frischen und feuchten Standorten. Er mag es sonnig bis halbschattig, verträgt aber auch den Schattendruck von Bäumen. Und wird er mal zu groß, so lässt er sich im Winter problemlos auf den Stock setzen und treibt im Frühjahr wieder kräftig aus.

Holunderstrauch im Winter auf einer Wallhecke

Holunder ist eine gute Bienenweide und bietet Nistmöglichkeiten für Gehölzbrüter wie die Amsel. Seine Früchte dienen als Futterquelle für viele Tierarten. Raupen verschiedener Schmetterlingsarten wie z.B. Flohkrauteule und Nachtschwalbenschwanz, bei dem die Bindung an die Futterpflanze aus dem wissenschaftlichen Namen „Ourapteryx sambucaria“ ableitbar ist, ernähren sich von seinen Blättern.

Früher durfte der Holunder in keinem Bauerngarten fehlen. Seine schönen weißen Blüten und sehr saftigen Beeren waren und sind vielseitig verwendbar. Bereits vor ca. 1000 Jahren kannte und nutzte Hildegard von Bingen die Volksheilpflanze mit schweißtreibender Wirkung. Die Früchte enthalten viel Vitamin A, B, C und wertvolle Mineralien. Die frische Rinde wurde als Abführmittel verwendet, Holundertee und -saft fand und findet Anwendung bei Erkältung, Fieber, Grippe, Mandelentzündung, Augenentzündungen und vielem mehr. Das Vitamin C fördert den Heilungsprozess. In der Küche finden die Beeren in Marmelade, Holundersaft und vielen Gerichten Verwendung. Kenner schätzen den Sekt aus Holunderblüten.

Früchte des Schwarzen Holunders
© Petra Wiese-Liebert 

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, was man mit Holunderzweigen alles machen konnte. Besonders beliebt waren Pfeil und Bogen oder die Hollerbüchsen: nachdem das Mark aus einem Holunderzweig herausgeholt wurde, konnte dieser als Blasrohr genutzt werden. Und mit dem Fliedersaft konnten Ostereier tief blauschwarz oder Wolle violett gefärbt werden.

Blühender Holunderstrauch

Im ostfriesischen Volksglauben kommt dem Holunder eine große Bedeutung zu (siehe Ostfreesland-Kalender von 1930). Gemäß der Mythologie der alten Germanen lebten im Holunder die Göttinen „Holla“ und „Freya“, die über das Leben von Pflanzen und Tieren wachten und Brunnen, Haus und Garten beschützten. Dieses alte Wissen wurde oft in Märchen überliefert, so auch durch die Gebrüder Grimm. Auf welches Märchen wurde nun am Anfang angespielt? Der Name Holla weist darauf hin: „Frau Holle“. Frau Holle lässt die Betten aufschütteln, so dass Federn wie Schneeflocken (weiße Blütensterne) fliegen oder lässt einen großen Kessel Pech ausschütten (schwarze Beeren oder Saft).

Dem Schwarzen Holunder sieht der Trauben- oder Rote Holunder (Sambucus racemosa) ähnlich. Er ist in Ostfriesland nicht heimisch, kommt aber stellenweise vor. Der Traubenholunder hat eine deutlich andere Rinde, ein durchgehendes Mark und scharlachrote Steinfrüchte. Hin und wieder findet man auch Sambucus nigra „Laciniata“, eine Kulturform mit sehr tief eingeschnitten Blättern.

Früchte Roter Holunder

Literatur: Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze von Hans-Dieter Warda, 2. erweiterte Auflage 2001 Herausgeber: Bruns Pflanzen.

 

Februar 2017: Kompensationsflächen

Jeden Monat werden hier im Landkreis Leer Naturobjekte mit Fotos und kurzen Informationen vorgestellt. Naturobjekte entstehen nicht nur natürlich, sondern sind oft auch durch menschliche „Unterstützung“ entstanden. Häufig handelt es sich um Flächen, die aufgrund eines Eingriffs wiederhergestellt werden mussten (sogenannte Kompensationsflächen). Der Begriff des Eingriffes wird im § 14 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes erläutert. Danach sind Eingriffe in Natur und Landschaft Veränderungen der Gestalt oder Nutzung von Grundflächen oder Veränderungen des mit der belebten Bodenschicht in Verbindung stehenden Grundwasserspiegels, die die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen können.

Ein gelungenes Beispiel für eine durch menschliche Unterstützung geschaffene „Naturfläche“ befindet sich im südlichen Bereich der Gemeinde Ostrhauderfehn. Es handelt sich um eine ehemalige Bodenabbaufläche mit einem Gewässer, die wiederhergerichtet wurde. Ziel bei der Herrichtung war es, die beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes durch ökologische Maßnahmen zu verbessern.

Als Maßnahmen zur Entwicklung des Raumes erfolgten z. B. die Aufhebung von Drainagen, die Verfüllung von kleineren Gräben und die Herstellung von Flachwasserzonen. Das Ergebnis lässt sich aus den nachfolgenden Bildern erkennen.

Bild 1

Das Hauptziel des Entwicklungskonzeptes bestand in der Ableitung von kurz- bis langfristig realisierbaren Maßnahmen, die dazu beitragen, einen naturnahen Zustand des ehemaligen Abbaugewässers und des angrenzenden Raumes wieder zu erreichen. Das Konzept zur Verbesserung der ökologischen Bedingungen orientierte sich dabei an die Vorgaben unterschiedlicher Bebauungspläne und aus der damaligen Bestandssituation in den 1990er Jahren (fast vollständige Abtorfung des Hochmoors, intensiv genutztes Grünland, Artenverarmung). Generell sollte die Entwicklung eines möglichst ungestörten Lebensraumes erfolgen, welches durch differenzierte Habitatstrukturen gekennzeichnet ist.

So wurden entlang des ehemaligen Abbaugewässers das Auftreten von Bäumen zugelassen und die Böschungen der Uferstrukturen unregelmäßig gestaltet.

Entlang des ehemaligen Abbaugewässers wurde das Auftreten von Bäumen zugelassen und die Böschungen der Uferstrukturen unregelmäßig gestaltet.

Auch die Extensivierung der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen war ein wesentliches Ziel der Planung. So wurden die ehemaligen intensiv genutzten Areale durch Nutzungsauflagen in wertvolle Biotope für Tiere und Pflanzen entwickelt.

Ehemalige intensiv genutzte Areale wurden durch Nutzungsauflagen in wertvolle Biotope für Tiere und Pflanzen entwickelt.

Kompensationsmaßnahmen dienen zum Ausgleich von erheblichen Beeinträchtigungen. Beeinträchtigungen sind u.a. ausgeglichen, wenn und sobald die beeinträchtigten Funktionen des Naturhaushalts in gleichartiger Weise wiederhergestellt sind und das Landschaftsbild landschaftsgerecht wiederhergestellt oder neu gestaltet ist.

Dieser Ausgleich wurde durch die vorgenannten Maßnahmen erzielt.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Herrn Sanders, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon: 0491 926-1319.

 

Januar 2017: Landschaftsschutzgebiet „Langholter Meer" und „Rhauder Meer"

Das Landschaftsschutzgebiet „Langholter Meer" und „Rhauder Meer" befindet sich in den Gemeinden Rhauderfehn und Ostrhauderfehn und umfasst eine Größe von rund 204 Hektar. Die flächenmäßige Ausbreitung des Gebiets lässt sich aus der nachfolgenden Karte ablesen. 

Allgemein sind Landschaftsschutzgebiete (LSG) rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen nach § 26 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) "ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft

1. zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, einschließlich des Schutzes von Lebensstätten und Lebensräumen bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten,

2. wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit oder der besonderen kulturhistorischen Bedeutung der Landschaft oder

3. wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung erforderlich ist."


Sinn & Zweck: Eigenart, Vielfalt und Schönheit erhalten

Zweck der Unterschutzstellung des LSG „Langholter Meer" und „Rhaudermeer" ist die Erhaltung und Entwicklung der besonderen Eigenart, Vielfalt und Schönheit des Langholter Meeres und des Rhauder Meeres.

Sprachlich handelt es sich in Ostfriesland bei den „Meeren" um Binnenseen. Beide Meere stellten ursprünglich den Mündungsbereich des Burlage-Langholter-Tiefs dar. Durch den Bau des Hauptfehnkanals wurden beide Gewässer voneinander getrennt. Das Rhaudermeer wurde komplett von der Wasserzufuhr abgeschnitten und ist heute vollständig verlandet.

Beim Langholter Meer wurde durch Abdeichungen ein Hochwasserrückhaltepolder mit bedarfsweiser winterlicher Flutung geschaffen. Der dauerhafte Abfluss des Wassers von Süden erfolgt seitdem über einen westlich des Polders bis zum Hauptfehnkanal verlaufenden Umgehungskanal des Burlage-Langholter-Tiefs.

Langholter Meer

Das besondere Landschaftsbild des Gebietes ergibt sich aus

- der Vielfalt terrestrischer und aquatischer Lebensräume,

- Weidensumpfgebüschen nährstoffreicher und nährstoffärmerer Ausprägung,

- Grünlandbrachen mit mäßig nährstoffreichen Sümpfen,

- seggen-, binsen- und hochstaudenreichen Nasswiesen,

- sonstigem artenreichen und artenarmen Grünland verstärkt an den Rändern des engen Talraumes und

- entwässerten Erlenwaldparzellen und Erlenbruchwald in teilweise hervorragender Ausprägung.

Rhaudermeer

Gegenüber Naturschutzgebieten zielen Schutzgebiete des Landschaftsschutzes auf das allgemeine Erscheinungsbild der Landschaft, sind oft großflächiger angelegt, Auflagen und Nutzungseinschränkungen hingegen geringer. Landschaftsschutzgebiete können auch ausgewiesen werden, um das Landschaftsbild für Tourismus und Erholung zu erhalten.

In Landschaftsschutzgebieten bestehen in der Regel nur geringe Auflagen für die land- oder forstwirtschaftliche Bodennutzung. Verboten sind insbesondere alle Handlungen, die den „Charakter" des Gebiets verändern. So kann z. B. der Umbruch einer Wiese zur Gewinnung von Ackerland untersagt werden, wenn das Gebiet von Grünland geprägt ist, oder es ist im Gebiet untersagt Feuer zu machen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Herrn Sanders, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon: 0491 926-1319.



Naturobjekte des Monats aus dem Jahr 2016