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Abfall, Natur, Tiere und Umwelt
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Naturobjekt des Monats

Hier möchten wir Ihnen gerne jeden Monat ein Naturobjekt im Landkreis Leer vorstellen.

Dezember 2016: Ilex aquifolium (Stechpalme)

Was haben Annette von Droste-Hülshoff, Hollywood und Harry-Potter mit der Stechpalme zu tun?

Der Reihe nach. Die Stechpalme, bei uns auch unter ihrem botanischen Gattungsnamen „Ilex“ geläufig, ist eine der wenigen einheimischen Gehölzarten, die bei uns immergrün sind. Sie wirft ihr Laub nicht ab, sondern ziert im Winter nicht nur mit ihrem dornig-gezähnten dunkelgrünen Blättern, sondern auch mit den leuchtend roten, für Menschen giftigen Steinfrüchten. Deshalb wurde sie in früheren Zeiten im Winter auch gerne als haltbarer Schmuck in den Häusern verwendet, auch in der Weihnachtszeit. In Großbritannien und Nordamerika sind sie noch heute typischer Weihnachtsschmuck. In unserem Breiten fungierte der Ilex auch zum Palmsonntag mangels echter Palmenzweige als Ersatz, deshalb wohl auch der Name „Stechpalme“.

Ausgewachsener Ilex im Evenburgpark, Leer-Loga

Im deutschsprachigen Raum wird die Stechpalme vielerorts auch Hülse genannt. Viele Orte verdanken diesem Gehölz ihren Namen wie zum Beispiel auch die Burg „Hülshoff“, die der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ihren Namensteil gab. Im englischen Sprachraum heißt der Ilex „Holly“, er gibt dem berühmten Stadtteil von Los Angeles, nämlich „Hollywood“ seinen Namen.

Für unsere Vogelwelt ist der Ilex eine wichtige Nahrungsquelle im Winter. Die lang haftenden Steinfrüchte sind über den Winter – nachdem der Frost drüber gegangen ist - wichtige Nahrungsquelle für Vögel. Diese verbreiten durch ihre Notdurft die Pflanze auf natürlichem Wege – soweit man sie lässt.

Ilexblätter mit Früchten

In den Mittelgebirgen findet man Ilex-Gebüsche zum Beispiel in den Buchenwäldern. Ein schöner Farbkontrast zum Herbstlaub. Bei uns findet man die Stechpalme in den Ziergärten, aber auch in der freien Landschaft, dort vor allem auf den Wallhecken.

Ilex auf einer Wallhecke

Das Gehölz hat für den Naturhaushalt neben Nahrungsquelle eine wichtige Funktion als Deckungspflanze für Vogelbruten und Kleintiere, aber auch für Bienen in der Zeit der unscheinbaren Blüten.

Man schätzte die Pflanze früher nicht nur als Schmuckpflanze, sondern auch wegen ihres harten, zähen Holzes, das sich gut polieren lässt. Man hat daraus Spazierstöcke, Peitschen und Hammerstiele hergestellt. Woraus mag nun der Zauberstab von Harry Potter sein? Richtig: aus Stechpalmenholz!

November 2016: Ostfriesische Weißstorchpopulation

Unsere Weißstörche sind in den Süden gezogen. Ende August, Anfang September war es soweit, der Zug Richtung Winterquartier in Afrika hat begonnen.

Nun ist Gelegenheit, auf das Storchenjahr 2016 im Landkreis Leer zurückzublicken.

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Brutplätze bei uns sehr positiv entwickelt, so kamen wir in diesem Jahr auf 15 besetzte Horste (Nester). In zwölf Horsten gab es schließlich ein aktives Brutgeschäft. Die Zahl der Eier pro Nest variiert, meist sind es zwischen zwei und fünf. Aus rund 40 Eiern schlüpften bei uns mindestens 27 Küken. Die restlichen Eier waren entweder taub, d.h. unbefruchtet, oder die Brut wurde abgebrochen.

Auch nach dem Schlüpfen geht der Überlebenskampf weiter. Ist beispielsweise das Nahrungsangebot zu knapp oder ein Jungtier zu klein und durchsetzungsschwach, dann wird schon mal das ein oder andere Jungtier von den Eltern aus dem Nest geworfen. Nur so wird gewährleistet, dass die verbleibenden Störche fit und kräftig genug werden können, um im Herbst die lange Reise ins Winterquartier zu bewältigen. Im Landkreis Leer sind – nach Stand der vorliegenden Informationen – von den mindestens 27 geschlüpften Jungstörchen schließlich 16 Exemplare flügge geworden. Das ist immer noch eine beachtliche Zahl, auch wenn die diversen Verluste traurig stimmen.

Der Landkreis Leer beherbergt fast die vollständige ostfriesische Weißstorchpopulation, im aktuellen Jahr gab es nur eine weitere Brut in Ostfriesland: in Westgroßefehn im Landkreis Aurich. Leider wurde hier kein Jungvogel flügge. Im benachbarten Landkreis Cloppenburg, im Ort Barßel, gab es dieses Jahr rekordverdächtige sieben Eier und schließlich vier flügge gewordene Jungstörche im Nest an der Mühle.

Die Störche und ihr Nachwuchs sind während ihres Aufenthalts und Brutgeschäfts bei uns vielfältigen Gefahren und Risiken ausgesetzt. Von entscheidender Bedeutung für den Bruterfolg ist der Witterungsverlauf während der Brut- und Nestlingsphase. Es darf nicht zu kalt oder zu nass sein, gleichzeitig muss das Nahrungsangebot ausreichen.

Die Elterntiere müssen die Eier und Jungtiere auch z.B. gegen Raubvögel verteidigen. Manchmal wird es im Nest zu nass. Im Nistmaterial findet sich leider auch Müll, wie z.B. Plastikfolien, das verhindert den Wasserabfluss. Die Störche bringen aber auch gerne Silage zum Auspolstern ins Nest. Das Material trocknet aber schlecht ab und beginnt schnell zu schimmeln. In solchen Fällen kommt der um das Wohl unserer Störche sehr bemühte „Storchenvater“ Hans Appiß ins Spiel. Es wird alles in Bewegung gesetzt, um die Nester zwischendurch wieder in Ordnung zu bringen oder um verendete Jungvögel oder taube Eier zu entfernen, um so den verbliebenen Jungvögeln das Überleben zu sichern.

Straßenverkehr, Hochspannungsleitungen und zunehmend auch Windenergieanlagen stellen eine weitere Gefahr für unsere Weißstörche dar. So ist in diesem Jahr beispielsweise ein Elterntier auf der Autobahn 31 verunglückt. Da ein verbleibendes Elterntier allein nicht Nachwuchs und sich selbst ausreichend ernähren kann, wurden die drei Nachwüchsler des betroffenen Horstes in die Aufzuchtstation nach Berne (Wesermarsch) verbracht. Auch wenn diese Jungtiere wohl überleben, zählen sie nicht in die Statistik unserer flügge gewordenen Jungtiere.

Viele Störche kommen im zeitigen Frühjahr an ihren alten Brutplatz zurück. Zuvor wurden die Nisthilfen – wo nötig – von fleißigen Helfern instand gesetzt. Zunächst kommen im Februar oder März die Männchen, besetzen und verteidigen „ihr“ altes Nest, manchmal aber auch ein „neues“. Häufig finden sich dann auch die Partnerinnen des Vorjahrs wieder ein. Aber auch Kämpfe um Nest oder Partner kommen vor. Wir erwarten gespannt die Rückkehr unserer Störche im nächsten Jahr und hoffen, dass viele den beschwerlichen und teilweise lebensgefährlichen Weg überstehen.

Oktober 2016: Wespen – von vielen Menschen ungeliebt, aber sehr nützlich für die Natur

Erdwespen schwärmen aus ihrem Erdnest aus

Die Wespen gehören zur Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera). Man unterscheidet Soziale Wespen, die Staaten bilden, und Solitärwespen, die einzelnt leben. Der Volksmund versteht unter dem Begriff „Wespen“ die zu den sozialen Faltenwespen zählende Gemeine Wespe, die Deutsche Wespe und die Hornisse. Nur diese drei Arten stechen dabei gibt es allein in Deutschland über 600 Solitärwespenarten.

Der Körper der Wespe gliedert sich in Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Der Kopf ist extrem beweglich und drehbar, er besteht aus den sogenannten Komplex- oder Facettenaugen, die aus vielen Einzelaugen bestehen, den Fühlern (Antennen) und den Mundwerkzeugen (Mandibeln). Die Brust besteht aus drei Beinpaaren und einem Flügelpaar. Am Abdomen befinden sich die Gift-(Weibchen) oder Kopulationsapparate (Männchen).

Die staatenbildenden Wespenarten bestehen aus der Königin, den Arbeiterinnen (Weibchen) und den Drohnen (Männchen). Das Nest wird für ein Jahr gebaut, es können bis zu 7000 Wespen zu einem Staat gehören. Andere Wespenarten, wie z. B. die Haus-Feldwespe bilden nur kleine Völker von 10 bis 100 Individuen.

Die Haus-Feldwespe am heimischen Teich in Bunde

Das Nest besteht aus einer papierartigen Masse, Ausgangsmaterial bildet morsches, trockenes Holz, das zu kleinen Kugeln und zu Waben verarbeitet wird. Man unterscheidet „Dunkelhöhlennister“ (Baumhöhlen, Nistkästen, Hohlschichten etc.) und solche, die ihre Nester in Hecken, Bäumen, Dachböden etc. abhängen. Im Herbst stirbt die alte Königin mit samt dem Staat ab, nur die jungen Königinnen verfallen in Winterstarre und bilden im kommenden Frühling neue Staaten.

Hornissen beim Nestbau im Beobachtungsturm in Wymeer

Erwachsene (adulte) Wespen ernähren sich von Nektar, Pollen, Steinfrüchte, Pflanzensäfte, tierische Stoffe und andere Insekten. Die Larven werden ausschließlich mit toten und erbeuteten Tieren gefüttert. Wespen töten oder betäuben mit ihrem Stachel die Beute bzw. wehren sich gegen Feinde. Fressfeinde sind z. B. Der Wespenbussard, der Neuntöter (Vogel), der Bienenfresser (Vogel), Kreuzspinnen, Libellen und Hornissen.

Unter den Wespen gibt es auch Parasiten, wie die Kuckuckswespe, die ihre Eier in die Waben anderer Wespenarten ablegt. Die Larven fressen die Larven der anderen Wespenart und entwickeln sich zur fertigen Wespe im „falschen“ Staat.

Ebenfalls zu den Parasiten gehört die Holzwespen-Schlupfwespe, die unter der Rinde nach Larven der Holzwespe sucht und in die Larven ihre Eier legt. Die Eier entwickeln sich zur Larve und fressen die Larven der Holzwespe auf.

Die Holzwespe wird von der Holzwespen-Schlupfwespe parasitiert

Nest der Erdwespe von einem Räuber, vermutlich Hermelin, geplündert

Wespen sind sehr interessante und nützliche Tiere. Bevor man ein Nest zerstört, sollte man prüfen, ob dies wirklich erforderlich ist oder ob man es eventuell umsetzen kann. Es wird eindrücklich darauf hingewiesen, dass es für die Beseitigung oder Umsetzung eines Wespen- oder Hornissennestes einer Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde Landkreis Leer bedarf, da es sich um nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte bzw. nach der Bundesartenschutzverordnung um streng geschützte Tierarten handelt.

September 2016: Gemeine Binsenjungfer - Libelle des Jahres 2016

Die Gemeine Binsenjungfer gehört zur Familie der Teichjungfern (Lestidae) und zur Unterordnung der Kleinlibellen (Zygoptera). Im Landkreis Leer ist sie die häufigste und weit verbreitetste Binsenjungfernart, gefolgt von der Weidenjungfer, der Glänzenden Binsenjungfer, der Südlichen Binsenjungfer und der Kleinen Binsenjungfer.

Männliche Binsenjungfer

Männchen haben eine grün metallische Grundfärbung mit blauer Bereifung des unteren Thorax (Brustkörper), der ersten beiden Abdominalsegmente (Hinterleib) und dem Abdomenende. Die Weibchen haben eine kupferfarbene Grundfärbung, der Legeapparat ist nur kurz und reicht nicht über das 10. Hinterleibsegment hinaus. Die Flügelmale von L. sponsa sind einheitlich schwarzbraun. Die Flügelspannweite beträgt etwa 4 cm und die Körperlänge beträgt zwischen 3,5 und 4 cm. In Ruhestellung werden die Flügel normalerweise nicht angelegt.

Tandem Binsenjungfern

Der wissenschaftliche Artname sponsa steht für „Braut, Verlobte“ und unterstreicht die gemeinsame Eiablage von Männchen und Weibchen, was nicht bei allen Libellenarten der Fall ist. Aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit, z. B. ist sie nicht wie andere Teichjungferarten, an zeitweilig austrocknende (ephemer) Feuchtbiotope gebunden, ist sie die häufigste Binsenjungferart. Die Gemeine Binsenjungfer ist von Nordspanien bis zum Polarkreis in Finnland anzutreffen. Bevorzugte Lebensräume sind krautreiche, besonnte Tümpel, Teiche (selbst Forellenteiche), Weiher, Gräben, Sieltiefs und Moorgewässer. Massenhaft kommt sie an Gewässern mit Binsen- und Schachtelhalmvegetation vor.

Die Flugzeit reicht von Mai bis Oktober, während sie im August ihren Höhepunkt erreicht. L. sponsa ist sehr gesellig und tritt oft mit mehreren Teichjungferarten zusammen auf. Sie leben hauptsächlich von kleinen Fluginsekten, vor allem Mücken. Ein kurzfristiges Trockenfallen der Laichgewässer überstehen die Eier unbeschadet. Die Larven ernähren sich von kleinen Krebstieren und anderen Insektenlarven, auch Libellenlarven. Gemeine Binsenjungfern können bis zu einer halben Stunde unter Wasser bleiben, z. B. um Eier abzulegen.

Bei der Paarung greift das Männchen das Weibchen mit dem Hinterleib an den Kopf, während das Weibchen ihren Hinterleib mit dem Brustkörper des Männchens verbindet und somit das sogenannte Paarungsrad bildet. Nach erfolgter Paarung fliegt das Päärchen gemeinsam als Tandem zum Eiablageplatz. Das Weibchen legt die Eier mit ihrem Legebohrer in markhaltige Stängel von Binsen und Schachtelhalm ab. Dort überwintern sie und im Frühling entwickeln sich aus ihnen die Larven. Nach sechs bis acht Wochen sind sie ausgewachsen, steigen aus dem Wasser und entwickeln sich zur fertigen Libelle (Metamorphose). Die Larvenhülle (Exuvie) verbleibt am Pflanzenstängel und fällt erst durch starken Wind oder Regen ab.

paarung Binsenjungfern

Libelle

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO, Libellenexperten) haben die Gemeine Binsenjungfer zur Libelle des Jahres 2016 gewählt, weil die eigentlich ungefährdete Libellenart im Zuge des Klimawandels in ihren Beständen abgenommen hat. Seit einigen Jahren treten stark schwankende Wasserstände immer häufiger auf, was dazu führt, dass die Larven sich nicht mehr rechtzeitig zur fertigen Libelle entwickeln können.

 

August 2016: Kompensationsflächen Marienchor

Zwischen Jemgum und Bunde in den Gemarkungen Hatzum, Bunderhammrich und Ditzumerhammrich befinden sich auf einer Fläche von rund 320 ha sogenannte Kompensationsflächen für den Bau der Autobahnen A 31 und A 280. Kompensationsfläche bedeutet vereinfacht, dass für die Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes durch den Straßenbau anderorts Flächen naturschutzfachlich aufgewertet werden. In dem „Pool Marienchor“, wie diese Maßnahme genannt wird, geschieht dies seit 2003/04 .

Kompensationsflächen Marienchor

Auf den Flächen „Marienchor“ besteht das vorrangige Ziel darin, gute Lebensraumbedingungen für Wiesen- und Watvögel zu schaffen und auch Gastvögeln geeignete Äsungsflächen bereitzustellen. Dazu werden Maßnahmen zur Grünlandextensivierung umgesetzt, d.h. die Landwirte setzen im Vergleich zu konventionell bewirtschaftetet Flächen weniger Dünger ein und mähen bspw. erst nach Mitte Juni, wenn die Bruten der Wiesenvögel in der Regel abgeschlossen sind. Hinzu kommen strukturverbessernde Maßnahmen wie die Entfernung von Gehölzen und Maßnahmen zur Wasserhaltung. Die Flächen können so in den Winter- und Frühjahrsmonaten feucht gehalten werden, wodurch stocherfähige Boden und insgesamt attraktive Bedingungen für Wiesenbrüter entstehen.

Kompensationsflächen Marienchor

Die Wiesenvogeldichte hat sich seit Beginn der Maßnahmen spürbar erhöht, regelmäßig sind gefährdete Arten wie Kiebitze, Rotschenkel, Große Brachvögel und Uferschnepfen in der Brutsaison dort anzutreffen. Von Jahr zu Jahr kommt es aufgrund verschiedener Einflussfaktoren wie beispielsweise der Witterungsbedingungen, zu Schwankungen im sogenannten „Reporduktionserfolg“, also in der Zahl der Küken, die die ersten kritischen Wochen überleben und so den Fortbestand der gefährdeten Arten sichern können.

Leider muss in den letzten Jahren beobachtet werden, dass die Quote der überlebenden Jungvögel im Verhältnis zum Potential des Gebietes gering ausfällt. Eine entscheidende Ursache hierfür ist in den „Fressfeinden“ zu suchen, denen die kleinen Küken zum Opfer fallen. In der Zukunft wird also ein gutes Konzept zur Bejagung in den Naturschutzflächen eine wichtige Rolle für den Reproduktionserfolg von Wiesenbrütern spielen.

Kompensationsflächen Marienchor

Trotz dieser Faktoren sind die Flächen ein gutes Beispiel für eine naturschutzfachlich positive Entwicklung und vor allem für das gute Neben- und Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Maria Stricker, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1382.

 

Juli 2016: Hochmoor Wymeer

Östlich und westlich der Kirchstraße in Wymeer (Gemeinde Bunde) befindet sich ein Resthochmoorkomplex als Ausläufer des Bourtanger Moores. Bis circa zu den 1950er Jahren wurden die Flächen im Handtorfstich genutzt.

Der östliche Teil (circa 52  ha) ist als Naturschutzgebiet seit 1983 unter Schutz gestellt. Die Flächen befinden sich im Eigentum des Landes Niedersachsen. Der Bereich östlich der Kirchstraße ist auch bekannt als „Landschaftsschutzgebiet Wymeer“. Wenngleich die Flächen formell nicht als Landschaftsschutzgebiet nach dem Bundesnaturschutzgesetz ausgewiesen sind, sind sie dennoch aus naturschutzfachlicher Sicht sehr wertvoll.

Hochmoor Wymeer
In den Jahren 2014 und 15 wurde ein Bereich von etwa 15 ha in einem Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde Bunde und des Landkreises Leer entkusselt, d.h. der aufgeschlagene Gehölzbewuchs, bestehend insbesondere aus Birken, wurde entfernt.

Hochmoor Wymeer
Was zunächst wüst aussah und den Eindruck einer „Mondlandschaft“ vermittelte, war doch ein wichtiger Schritt zu langfristigen Erhalt der Moorlandschaft. Die Birken entwässerten das Gebiet und verhinderten durch ihre Dominanz das Aufkommen typischer Moorvegetation.

Ein Moor ist als Kulturbiotop auf Pflege und Unterhaltung angewiesen. Was geschieht, wenn diese unterbleibt, konnte man bis 2014 beobachten – die Flächen waren ungeeignet zur Urbarmachung und landwirtschaftlichen Nutzung und so wurden sie brach liegen gelassen. Als Folge entwickelte sich ein Wald. Um diese Entwicklung nach der großen Entkusselungsaktion zu verhindern, wurde die Fläche eingezäunt und nun mit Schafen und Ziegen beweidet. Diese fressen die neu aufschlagenden Birken und halten die Flächen offen, so dass sich typische Moorvegetation etablieren kann. Dazu zählen Gagelstrauch, Sonnentau, Wollgrass, Torfmoose sowie weitere, zum Teil seltene, Arten.

Hochmoor Wymeer
Auch faunistisch nimmt das Gebiet eine erfreuliche Entwicklung. Zahlreiche Brutvögel der Moorbiotope nutzen die Flächen, so konnten bspw. Bekassinen beobachtet werden. Amphibien sind in den an den Torfkanten entstandenen Gewässern zu finden und Reptilien wie die Kreuzotter finden auf den offenen Flächen Sonnenplätze. 

Hochmoor Wymeer

Ein 3 km langer Rundweg führt um das Moor und bietet Interessierten die Möglichkeit, eine selten gewordene „kulturhistorische Naturlandschaft“ zu erleben. Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Maria Stricker, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1382.


Juni 2016: Das Moor

Vor langer Zeit war die Landschaft Ostfrieslands geprägt von großflächigen Mooren. Ihre Entstehung begann vor vielen tausenden Jahren auf Standorten, an denen ständig bzw. zum überwiegenden Teil des Jahres ein Wasserüberschuss vorhanden ist. Durch den ständigen Wasserüberschuss können Pflanzenreste aufgrund des Sauerstoffmangels nicht vollständig abgebaut werden. Es bilden sich so genannte Torfe, die im Laufe der Zeit eine Mächtigkeit von mehreren Metern erreichen können.

Es gibt verschiedene Arten von Moortypen. Als zwei Grundtypen können das Nieder- und das Hochmoor angesehen werden.

Das Niedermoor entsteht durch das Zuwachsen (Verlanden) von nährstoffreichen Gewässern. Dabei entwickeln sich von den Rändern zur Mitte hin verschiedene, aufeinanderfolgende Verlandungszonen: Auf die Unterwasser- und Schwimmblattgesellschaften folgen das Schilfröhricht, der Großseggengürtel, das Weidengebüsch und schließlich der Erlenbruch. Niedermoore entstehen überall dort, wo sich in Senken nährstoffreiches Wasser ansammeln kann.

Das Niedermoor kann sich unter speziellen Gegebenheiten zu einem Hochmoor weiterentwickeln. In Landschaften mit einer positiven Wasserbilanz, dass heißt, es fallen mehr Niederschläge als abfließen und verdunsten kann, siedeln sich in dem Überschuss an Niederschlagswasser Torfmoose an. Diese bauen langsam einen eigenen Moorkörper auf, der die Niedermoorvegetation allmählich verdrängt. Dieser Moorkörper wächst aus dem nährstoffreichen Grundwasser heraus und baut ein völlig neues eigenes Wasserregime auf, das dann nur noch vom nährstoffarmen Niederschlagswasser versorgt wird. Da das Hochmoor nur noch durch Regenwasser versorgt wird und der Kontakt zum Grundwasser vollständig verloren geht, nimmt die Zufuhr von Nährstoffen ab. Dadurch verändern sich die Standortbedingungen und damit auch die Pflanzengesellschaften im Hochmoor vollständig.

Das Hochmoor besitzt folgende Merkmale und Eigenschaften: es besitzt eine uhrglasförmige Aufwölbung; mit Hilfe der Torfmoose wächst das Moor im Durchschnitt 1 mm pro Jahr. Aufgrund ihres anatomischen Baus sind die Torfmoose die wesentlichen Träger der Eigenschaften der Hochmoortorfe und der Oberflächenstruktur des gesamten Moorkörpers. Da die Torfmoose über Poren Wasser aufnehmen und dieses dann langsam wieder abgeben, wirken sie wie ein Schwamm. Sie lagern das bis zu 20fache ihres Volumens an Wasser ein. Jedes Jahr wachsen die Pflänzchen einige Millimeter in die Höhe, während sie nach unten durch zunehmenden Lichtabschluss absterben und langsam vertorfen.

Der heutige Bestand an Mooren hat durch Abtorfung und Kultivierung stark abgenommen. Weitgehend unberührte offene Moore sind heute sehr selten und stellen für den Naturschutz mit ihren an das saure Milieu angepassten Pflanzenarten die wertvollsten Moore dar.

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Daniela Bertram, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1151.

Mai 2016: Kiebitz – Gaukler der Lüfte

 

Kiebitz

Wenn im Frühjahr die Natur wieder erwacht, dann kommen auch aus den Winterquartieren die Wiesenvögel wieder zurück. Einer der auffälligsten Wiesenvögel ist der Kiebitz (wissenschaftlicher Artname: Vanellus vanellus). Der Kiebitz ist aufgrund seiner kontrastreichen Gefiederzeichnung und seiner auffälligen Frisur eine unverwechselbare Vogelart. Er ist taubengroß, hat eine schwarze Oberseite mit grünlich schimmerndem Metallglanz sowie eine weiße Unterseite mit einem schwarzen Brustband. Charakteristisch für den Kiebitz ist die am Hinterkopf des Vogels abstehende Federholle. Durch den äußerst akrobatischen Balzflug des Männchens im Frühjahr wird der Kiebitz auch „Gaukler der Lüfte“ genannt. Um die Weibchen auf sich aufmerksam zu machen, steigt das Männchen im Flug auf und ab, wirft sich von einer Seite auf die andere und jodelt dabei heiser. Die Flügel erzeugen gleichzeitig ein wummerndes Geräusch.Wenn Sie gerne die Stimme des Kiebitzes hören möchten, dann klicken Sie dem Link:

Kiebitz

Der Lebensraum des Kiebitzes zeichnet sich durch weitgehend offene und flache Landschaften wie Feuchtwiesen, Moor- und Heideflächen aus. Da diese Lebensräume mittlerweile jedoch knapp sind, weicht er zum Brüten auch auf Ackerstandorte aus. Als Bodenbrüter legt er sein Nest auf kahlen bis spärlich bewachsenen, trockenen Stellen in einer Mulde direkt auf dem Boden an. Das Weibchen legt meist vier Eier, die dann 26 – 29 Tage lang von Weibchen und Männchen bebrütet werden. Kiebitze sind Nestflüchter, so dass die Küken bereits wenige Stunden nach ihrem Schlupf das Nest verlassen. Die Jungvögel werden dann noch bis zu fünf Wochen von den Altvögeln geführt, bis sie flügge werden.

Im 18., 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war das Sammeln von Kiebitzeiern ein regelrechter Volkssport, da die Eier als Delikatesse galten. Heute ist das Sammeln von Kiebitzeiern - aber auch Eier von anderen wildlebenden Vogelarten - gesetzlich verboten.

Die Bestandsentwicklung des Kiebitzes ist in den letzten Jahren durch einen Negativtrend bestimmt. Ausschlaggebende Faktoren sind die Veränderungen ihres Lebensraumes. Die konsequente Einführung von modernen Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft hat zu durchgreifenden landschaftlichen und wasserwirtschaftlichen Veränderungen geführt. Zu weiteren Gefährdungsursachen zählen auch Störungen der Brutgebiete durch intensive Freizeitnutzung. Es gibt aber auch natürliche Ursachen wie Beutegreifer oder für den Kiebitz ungünstige Witterungsbedingungen wie zu nasse und kalte Frühjahre die zu Verlusten dieser Wiesenvogelart führen.

Kiebitz Jungvogel

Zum Schutz der Wiesenvögel und somit auch zum Schutz des Kiebitzes bietet der Landkreis Leer jährlich Gelege- und Kükenschutzmaßnahmen an. Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Daniela Bertram, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1151.


April 2016: Up Lengener Moor-Padd

Lehrpfad mit Beobachtungstürmen

Der Nordosten bzw. Osten der Gemeinde Uplengen im Landkreis Leer wird durch die Überreste der ehemals schier endlosen ostfriesischen Zentralmoore geprägt. Etwas 1500 Hektar abwechslungs­reiche Moorlandschaften sind davon als Naturschutzgebiete unter Schutz gestellt. Ein Großteil dieser Flächen ist in der Vergangenheit abgetorft worden. Im Rahmen der Renaturierung durch die arL, Staatliche Moorverwaltung Meppen, erfolgte eine Kammerung dieser Flächen mit der An­lage von Poldern, in denen das Wasser gestaut und zurückgehalten wird. Eine Regelung des Wasserstandes ist möglich. Mit der Wiedervernässung wird die Wiederansiedlung moortypischer Pflanzen und Tiere ermöglicht.

Up Lengener Moor-Padd

Im Zentrum der Uplengener Moore befindet sich das „Stapeler Moor“, welches durch einen circa 2 km langen Lehrpfad erschlossen ist. Dieser führt durch die ehemals abgetorften Flächen.

Informa­tionstafeln geben Einblicke in die Geschichte, Pflanzen- und Tierwelt. Die Tafeln regen zum Mitmachen an, z. B. um Ausschau nach den unterschiedlichen Libellenarten des Gebietes zu halten. Den Höhepunkt des Lehrpfades aber stellt die originalgetreue Rekonstruktion eines al­ten Bohlenweges dar. Beim Begehen spürt man den schwankenden Untergrund und kann sich vorstellen, wie bereits in der Zeit des 9-8. Jahrhunderts vor Christus die Menschen durch das Moor zogen. Heute begleitet „Moratz“ jeden Besucher sicher durch die Moorflächen; mit ihm sind die Wege gekennzeichnet.

Während vom Lehrpfad aus Torfmoose, Wollgras, Glockenheide, Moorfrösche, Vögel wie Kiebitz und Libellen aus nächster Nähe beobachtet werden können, ermöglicht der Beobachtungsturm einen Blick in die weiten Moorflächen. Hier lässt sich die ehemalige Größe der ostfriesischen Zentralmoore noch erahnen und ermöglich manchmal auch den Blick auf Kraniche, dies sich hier seit einigen Jahren niedergelassen haben.

Up Lengener Moor-Padd

Weitere Beobachtungstürme, die die Informationen des Lehrpfades ergänzen, befinden sich am „Lengener Meer“ und im „Neudorfer Moor“.

Wenn Sie den Lehrpfad und die Aussichtsstürme besuchen, bleiben Sie zum Schutz der empfindlichen Tier- und Pflanzenarten bitte auf den Wegen, da sie sich in Naturschutzgebieten befinden.

Up Lengener Moor-Padd

Für weitere Informationen schauen Sie gerne in den Flyer oder wenden Sie sich an Elisabeth Blömer, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1365.

Flyer (PDF, 4,8 MB)

 

März 2016: Naturdenkmal: Friedhof Neermoor

Der alte Friedhof liegt am Ortsrand von Neermoor und erhebt sich rund 1,0-1,50 Meter über dem angrenzenden Gelände. Es handelt sich um eine Warft, die mit einer circa 100 Jahre alten Klinkermauer eingefasst ist.

Klinkermauer

Es ist davon auszugehen, dass es sich um eine heidnische Kult- und Opferstätte oder um einen Siedlungsplatz aus vorchristlicher Zeit handelt. Die ältesten Funde stammen aus der Zeit zwischen 1000 und 750 v. Chr.

Circa 1000 n. Chr. reichte die Ems bis an den Geestrand. In dieser Bucht soll sich dann die Ortschaft Neermoor gegründet haben. Zur Entstehungsgeschichte gibt es zwar immer noch Forschungsbedarf, sicher ist aber, dass sich hier der Standort der ersten Kirche Neermoors befand, die 1794 abgerissen wurde. Die Ortschaft hatte sich auf dem Geestrand neu entwickelt und der Weg zur Kirche war häufig nicht passierbar. 1796 wurde im Ortskern die neue Kirche eingeweiht. Seitdem erfolgt eine Nutzung ausschließlich als Begräbnisstätte, die auch heute noch belegt wird. Die ältesten Grabsteine datieren aus der Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts.

Um circa 1870 erfolgte eine Randanpflanzung aus 48 Winterlinden, die Klinkermauer wurde um 1900 errichtet. Angepflanzt wurde zudem eine Mittelallee aus 37 Winterlinden.

Randanpflanzung

Seit 1948 ist der Baumbestand als Naturdenkmal geschützt. Hierbei handelt es sich um Einzelschöpfungen der Natur, die eine Bedeutung für die Heimatkunde (darunter fallen kulturelle Gründe, da ein Bezug zur Natur und Landschaft besteht) haben oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit zu schützen sind. Mehrere Objekte können nur dann ein Naturdenkmal bilden, wenn die Besonderheit gerade in deren Gruppierung oder Zusammenstellung liegt und sie sich von anderen Gebilden dieser Gattung wesentlich abheben. Diese Besonderheit ist beim Friedhof in Neermoor sehr ausgeprägt. Von der Ems aus ist der Friedhof gut sichtbar.

Baumbestand als Naturdenkmal

Die Linden der Mittelallee wurden 1954 buchstäblich in einer Nacht- und Nebelaktion gekappt. Diese Maßnahme wird die Lebensdauer der Bäume verkürzen. Regelmäßige Pflegemaßnahmen tragen nun zum Erhalt der gekappten Bäume bei. Sie dienen auch der Sicherheit der Besucher und der alten Grabsteine. Die Bäume am Rand werden bei Bedarf gepflegt, vereinzelt wurden Bäume, von denen eine Gefahr ausgeht, gefällt, so dass nun noch 46 Bäume vorhanden sind.

2013-14 wurde durch die Gemeinde Moormerland die Sanierung der Klinkermauer durchgeführt, die an mehreren Stellen gebrochen oder auch zusammengefallen war.

Seit 1978 ist der alte Friedhof zudem als Kulturdenkmal geschützt.

Friedhof_Neermoor

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne an Elisabeth Blömer, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1365.

 

Februar 2016: Naturschutzgebiet „Esterweger Dose"

Das Naturschutzgebiet „Esterweger Dose" (etwa 4.700 Hektar) liegt innerhalb des Naturraumes der Hunte-Leda-Moorniederung und stellt den größten noch verbliebenen geschlossenen Hochmoorbereich Niedersachsens dar. Das Gebiet ist zudem Bestandteil des EU-Vogelschutzgebiets V 14 „Esterweger Dose" und in Teilen des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets (FFH-Gebiet) 158 „Esterweger Dose". Zuständig sind die Landkreise Cloppenburg, Emsland und Leer als untere Naturschutzbehörden, wobei nur ein kleiner Bereich im Landkreis Leer liegt. Etwa 2.450 Hektar sind im Besitz des Landes Niedersachsen und werden von der Staatlichen Moorverwaltung Meppen betreut. Hier sehen Sie die Karte des Nazurschutzgebietes „Esterweger Dose":

Das Naturschutzgebiet wird in zwei Zonen gegliedert (Kern- und Pufferzone). 

Prädestiniert durch die siedlungsferne, ungestörte Lage soll die Kernzone des Naturschutzgebiets nach Beendigung des genehmigten Torfabbaus durch Vernässung zu einem Lebensraum für Arten und Lebensgemeinschaften wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tiere insbesondere des offenen Hochmoores entwickelt werden. Voraussetzung für die langfristige Regeneration ist der Erhalt der Kernzone als saurer und nährstoffarmer Hochmoorstandort sowie eine großräumige Wiedervernässung.

Nach Beendigung des Torfabbaus bilden Wiedervernässung und Regeneration der Moore zentrale Vorraussetzungen für den Erhalt der für das Vogelschutzgebiet wertbestimmenden Goldregenpfeiferpopulation. Wiedervernässte Hochmoorflächen sind auch Brut- und teilweise Nahrungsbiotop der wertbestimmenden Arten Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Kiebitz, Rotschenkel, Schwarzkehlchen und Krickente. Während der Abtorfung soll der Schutz der wertbestimmenden Arten zusätzlich durch Vereinbarungen mit den Torfabbauunternehmen geregelt werden.

Goldregenpfeifer

Die heute landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Pufferzone sollen durch eine Nutzung als Grünland für Arten und Lebensgemeinschaften des kultivierten Hochmoores gesichert und entwickelt werden. Teilgebiete sollen sich nach Beendigung der Abtorfung ehemaliger Grünlandflächen oder deren Nutzungsaufgabe zu ungenutzten Feuchtbiotopen auf Hochmoortorfen entwickeln. Sie dienen den an diese Lebensbedingungen angepassten Arten und deren Lebensgemeinschaften als Lebensräume. Das Hochmoorgrünland ist Nahrungsbiotop des wertbestimmenden Goldregenpfeifers. Es ist weiterhin Brut- und Nahrungsbiotop für Wiesenvögel, die teilweise wertbestimmend für das Vogelschutzgebiet sind. Die bewaldeten Flächen sollen durch Umwandlung des Bestandes mit Gehölzen, die der natürlichen Artenzusammensetzung des Standortes entsprechen, und Erhöhung des Feuchtegrades entwickelt werden.

Das Naturschutzgebiet hat eine besondere Bedeutung für Natur- und Heimatkunde. Es dient damit in hervorragender Weise als Anschauungsobjekt für die Landschaftsentwicklung der Hochmoore Niedersachsens.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des NLWKN.

oder wenden Sie sich gerne an Herrn Sanders, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1319.

Januar 2016 : Polder Holter Hammrich

Der Polder Holter Hammrich ist ein Entlastungspolder und liegt in der Leda-Jümme-Niederung direkt südlich der Leda an der Einmündung des Hauptfehnkanals im Landkreis Leer. Im Westen grenzt er an das Holter Sieltief.

Seit einigen Jahren konzentrieren sich die naturschutzfachlichen Aktivitäten auf den Raum Holte. Zur Entwicklung einer artenreichen Niederungslandschaft erfolgte im September 2008 der Baubeginn für den Polder Holter Hammrich, die nach gut zweieinhalb Jahren abgeschlossen wurde. Maßnahmenträger waren der Leda-Jümme-Verband und das NLWKN (Betriebsstelle Brake-Oldenburg). Das Stauvolumen des Polders beträgt etwa 3,8 Millionen .

Ein großer Teil des Geländes (circa 140 Hektar) wird im Winter und Frühjahr durch gelenkte Wasserstandsanhebung überstaut. Auf diesem Weg soll eine Kulturlandschaft entstehen, wie sie im Leda-Jümme-Gebiet vor der Intensivierung der Landwirtschaft bis Anfang der 1950er Jahre verbreitet war. Der östliche, 80 Hektar große Teilbereich „Altes Tief“, wird nicht bewirtschaftet. Hier befindet sich ein vielfältiges Mosaik aus Flachwasserzonen, Gehölzen, Röhricht und Nassgrünland. In diesem Teilbereich liegt auch der 1,4 km lange, naturnah gestaltete Polderkanal. Der Teilbereich „Altes Tief“ wird weitgehend der natürlichen Entwicklung überlassen.

Der Polder Holter Hammrich im Frühjahr 2015

Der Polder zeichnet sich zudem durch Grünland auf feuchten bis nassen Standorten aus und stellt einen bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Wiesenvögel dar. Hier kommen u. a. Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel, Brachvogel, Bekassine und Säbelschnäbler vor, aber auch weitere Arten wie Wiesenpieper, Feldlerche, Schwarz- und Blaukehlchen, Teich- und Sumpfrohrsänger, Rohrammer, verschiedene Enten, Gänse und andere Vögel. Bei Brutvogelerfassungen in den Jahren 2008 bis 2010 wurden mehr als 60 Arten dokumentiert.

Uferschnepfe im Holter Hammrich                     Auch als Nahrungshabitat und Rast- bzw. Überwinterungsgebiet für Zugvögel hat der Polder eine wichtige Funktion. Als Gastvögel wurden über 40 Arten erfasst. Daneben profitieren Amphibien von den Stillgewässern. Langfristig soll auch der Fischotter als Leitart des naturschutzfachlichen Zielkonzeptes im Gebiet wieder heimisch werden.

Durch die Kooperation von Naturschutz und Hochwasserschutz wird mit den Maßnahmen im Polder Holter Hammrich die Entwicklung einer artenreichen Niederungslandschaft auf einer 220 ha großen Niederungsfläche angestrebt. Mit den Überstauungen bzw. den hohen Grundwasserständen, wie sie im Leda-Jümme-Gebiet früher typisch waren, werden die Lebensbedingungen von charakteristischen Arten und Lebensgemeinschaften der ostfriesischen Hammriche optimiert.

oder wenden Sie sich gerne an Herrn Sanders, Amt für Planung und Naturschutz, Telefon 0491 926-1319.