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Naturobjekt des Monats

Hier möchten wir Ihnen gerne jeden Monat ein Naturobjekt im Landkreis Leer vorstellen.

November: Die Stielcheiche

Die Gattung der Eichen umfasst mehr als 500 Arten, die alle auf der Nordhalbkugel heimisch sind. Die sommergrünen Bäume können je nach Art 40 bis 50 m hoch und mehr als 800 Jahre alt werden. Die Äste verzweigen sich mit ihrer typischen rissigen Rinde zu knorrigen ausladenden Kronen.

In Europa gibt es etwa 20 bis 30 Arten. Die meisten kommen im Mittelmeergebiet vor. In Nordeuropa nimmt die Anzahl der Arten dann auf 2-4 Arten ab.

Im Landkreis Leer ist sehr häufig die Stieleiche (Quercus robur) anzutreffen. Hier findet sie ihren Platz meist auf alten Wallhecken oder auch in der freien Landschaft als Baumgruppe oder als frei stehender Baum.
Als wichtiger europäischer Waldbaum ist sie in waldreichen Gebieten ebenfalls häufig anzutreffen.

Zudem wird sie gerne bei uns im Landkreis als Straßenbaum gepflanzt.

Die Stieleiche lässt sich gut von der Traubeneiche (Quercus petraea), die ebenfalls im Landkreis Leer vorkommt, unterscheiden:

Die Blätter sind wechselständig, etwa 10 bis 12 cm lang und im Umriss verkehrt eiförmig. Das Blatt ist im Gegensatz zur Traubeneiche gar nicht bzw. sehr kurz gestielt und hat am Blattgrund meist Öhrchen. Die Fruchtstände (Eicheln) dagegen haben namensgebend einen langen Stiel von mehreren cm im Vergleich zur Traubeneiche. Die nachfolgenden Abbildungen zeigen Blatt und Fruchtstände der Stieleiche bereits mit der beginnenden typischen Herbstverfärbung.

Durch ihr Pfahlwurzelsystem besitzen Stieleichen eine hohe Stabilität und eine dementsprechend vergleichsweise niedrige Windwurfgefahr. Die lichtbedürftigen Bäume blühen ab Mitte April (etwas früher als die Traubeneiche) und tragen die männlichen und weiblichen Blüten an einem Baum (einhäusig). Die unscheinbaren Blüten werden meist übersehen da sie erst an älteren Bäumen zu finden sind und somit häufig aus dem direkten Blickfeld „verschwunden“ sind.

Als heimische Baumart ist die Stieleiche ein wichtiger Bestandteil der regionalen Landschaft und der Tierwelt. Die Stieleiche ist in der Tierwelt u.a. als Bienenweide, Nahrungspflanze und als Deckungspflanze für Vogelbruten und Kleintiere von besonderer Bedeutung.



Oktober: Papageienfeder (Myriophyllum aquaticum) – Neuer Neophyt auf dem Vormarsch?

Das Brasilianische Tausendblatt, auch Papageienfeder oder smaragdgrünes Tannenbäumchen genannt, zählt zur Gattung Tausendblatt (Myriophyllum) in der Familie der Tausendblattgewächse (Haloragaceae). Es ist ein immergrüner, ausdauernder Hydrophyt (Wasserpflanze). Die Sprossachsen werden bis zu 2 m lang und wachsen bei optimalen Verhältnissen wöchentlich 10 cm. Mit seinen leuchtend hellgrünen, dicht stehenden Blattquirlen erinnert es an eine Papageienfeder, daher der deutsche Name. Die kleinen grünlichweißen Blüten wachsen in den Achseln der Laubblätter. Die Pflanze hat entweder männliche oder weibliche Blüten, an denen sich fein höckerige Früchte bilden. Samenbildung ist nur in den heimischen Gebieten bekannt. In unseren Gefilden findet die Vermehrung über Wurzelteilung und Ausläuferbildung, also vegetativ, statt.

Die Papageienfeder ist, wie alle Tausendblattgewächse, in der Lage das Wasser stark mit Sauerstoff anzureichern und schafft damit klarere Verhältnisse im Gewässer. Sie soll nur in tieferen Gewässern winterhart sein.

Bereits vor 150 Jahren wurde diese Pflanzenart in Deutschland als dekorative Aquarienpflanze eingeführt. In Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland und Südost-Asien ist sie verwildert. Seit 2014 wurde der Verkauf im Vereinigten Königreich untersagt. 2016 wurde das Brasilianische Tausendblatt in die „Liste der unerwünschten Spezies“, sogenannte schwarze Liste, für die Europäische Union aufgenommen. In Deutschland sind Bestände in Bayern und Nordrhein-Westfalen bekannt.


Im September 2015 wurde die invasive Pflanzenart erstmals in einem Teich im „Bunder Park“ beobachtet. Das Gewässer wurde von Bundesfreiwilligendienstlern von den Pflanzen befreit und diese gingen in die Kompostierung in Breinermoor.

2016 wurde M. aquaticum im Nordertief und im Dwarstief in Holthusen, Stadt Weener, festgestellt. Die Sielacht Rheiderland wurde umgehend informiert und zwei Tage später fand ein Termin vor Ort statt. Es wurde beschlossen den Nordertief mit einem Bagger mit Lochblech zu räumen. Das Baggergut wurde auf einer versiegelten Fläche zwischengelagert und ging einige Monate später in die Kompostierung.
Im Bereich Dwarstief erfolgte wegen der wertvollen Wasservegetation, Krebsschere, Teichmummel, Schwanenblume und verschiedene Laichkräuter, keine Räumung. Im Sommer 2017 wurden die Papageienfedern aus dem Wasser gefischt, mit Kanu und Eisenharke ausgerüstet, und im trockenen Uferbereich abgelagert. Eine Woche später war von den Pflanzen nur noch eine braune, vertrocknete Masse zu erkennen. 2018 wurden in den beiden Gewässern einzelne Pflanzen gesehen und sofort entfernt. Die Wasserpflanzen vertrockneten innerhalb von wenigen Tagen und da die Papageienfeder sich nur vegetativ vermehrt, ist keine Gefahr zu erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass keine weiteren Gewässer betroffen sind.


September: Naturschutzgebiet WE 102 und Flora-Fauna-Habitat FFH-Gebiet 412 „Barger Meer“

Die o. a. Schutzgebiete liegen zwischen den Flüssen Jümme und Leda in der naturräumlichen Einheit „Ostfriesische Emsmarschen – Jümmeniederung“ in der Gemarkung Barge, Geinde Detern, Samtgemeinde Jümme, Landkreis Leer. Das Naturschutzgebiet (nachfolgend NSG genannt) umfasst Flurstücke in den Fluren 7 und 9, mit den Gewässern „Barger Kolk“ und „Barger Sandgrube“ nördlich und südlich des Kolkweges und westlich der Barger Straße (Kreisstraße 61).

Das NSG hat eine Größe von ca. 15,35 ha, wovon ca. 7,0 ha auf das FFH-Gebiet entfallen. Das NSG dient in seiner Gesamtheit der Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung von Lebensstätten, Biotopen und Lebensgemeinschaften charakteristischer Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus soll mit Natura 2000 ein für ganz Europa repräsentatives System von Lebensräumen mit repräsentativen Tier- und Pflanzenarten in ihrer jeweiligen naturräumlichen Einbindung entstehen. Erhaltungsziele des FFH-Gebietes sind die Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes insbesondere des Lebensraumtyps: 3130 Oligo- bis mesotrophe stehende Gewässer mit Vegetation der Littorelletalia uniflorae und der Isoeto-Nanojuncetea und insbesondere der übrigen Pflanzenart (Anhang II FFH-Richtlinie) Froschkraut(Luronium natans).

Zu den seltenen Pflanzenarten zählen neben dem Froschkraut, Späte Gelbsegge (Carex viridula), Fadenenzian (Cicendia filiformis), Mittlerer Sonnentau (Drosera intermedia), Sumpf-Bärlapp (Lycopodiella inundata), Borstige Moorbinse (Isolepis setacea), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) und Wasserschlauch (Utricularia vulgaris). Zu den seltenen Tierarten zählen der Eisvogel (Alcedo atthis) und die Feuerlibelle (Crocothemis erythrea). 2018 gelang erstmalig der Nachweis der Zierlichen Moosjungfer (Leucorrhinia caudalis). Außerdem ist die „Barger Sandkuhle“ ein wichtiger Schlafplatz für den Silberreiher (Casmerodius albus).

Das NSG wurde bereits am 20. Februar 1942 im Verordnungsblatt für den Landkreis Leer veröffentlicht. Die Verordnung wurde zuletzt am 08. Juni 2016 geändert. Das FFH-Gebiet wurde im Januar 2005 der EU gemeldet. Die schützenswerten Strukturen sind nicht zuletzt durch Pflegemaßnahmen des Fischereiverbandes Altes Amt Stickhausen, Entkusselung von Gehölzstrukturen am Gewässerrand der „Barger Sandkuhle“, Anlage von drei Kleingewässern, Offenhaltung einer Waldwiese westlich der „Barger Sandkuhle“ und Mulchmahd zweier Flächen durch den Landkreis Leer entstanden bzw. erhalten worden.


August: Efeu und Verkehrssicherheit

Efeu ist eine einheimische, immergrüne Pflanze. Sie ist sehr langlebig und kriecht an der Erde oder klettert mit Hilfe von Luft- und Haftwurzeln bis in 30 m Höhe. In der Jungform sind die Blätter 3-5 lappig, im Alter sind sie ungelappt. Erst dann blüht der Efeu mit grüngelben Doldenblüten. Er ist ein Herbstblüher. Die stark duftenden Blüten sind in der nahrungsarmen Zeit eine wichtige Nektarquelle und ziehen daher Insekten förmlich an. Im Frühjahr zieren dann schwarze Beerenfrüchte die Pflanzen, wenn Vögel nicht schneller waren und sie gefressen haben. Zahlreiche Vögel, z.B. Zaunkönig, finden in dichten Efeugeflechten geschützte Schlaf- und Nistplätze. Die Pflanze ist damit Lebensraum für viele Tierarten. Efeu steht sinnbildlich wegen seiner immergrünen Blätter für die Ewigkeit und ist eine alte Heilpflanze. Alle Teile sind giftig.

Ungelappte Blätter mit noch grünen Früchten
© Landkreis Leer 

Efeu wächst in allen Bereichen des Landkreises Leer, insbesondere in den wallheckenreichen Gebieten klettert er an zahlreichen alten Bäumen. Dies führt zu Vermutungen wie: Efeu durchwurzelt Bäume und schädigt die Rinde, Stämme werde durch immer dicker werdende Haftwurzeln erwürgt, den Bäumen wird das Licht entzogen und sie werden durch das Gewicht des Efeus geschwächt, so dass die Gefahr von Astausbrüchen oder Umkippen besteht.

Bei uns vorkommende Bäume sind vor allem Stieleiche, Sandbirke, Esche, Linde, Roterle und Rotbuche, wobei festgestellt werden kann, dass Stieleichen besonders häufig einen Efeubewuchs aufweisen. In der Regel ist bei gesunden Bäumen davon auszugehen, dass  Efeu unschädlich ist.

Stieleiche mit Efeubewuchs an einer vielbefahrenen Straße im Sommer
© Landkreis Leer 

Der Efeu ernährt sich über Wurzeln im Boden und nimmt hier auch Wasser auf. Haftwurzeln nutzt er zum Klettern, eine Wasseraufnahme erfolgt nicht. Die Haftwurzeln des Efeus können auch keine Nährstoffe aufnehmen, so dass ein Schmarotzen an Bäumen mit Hilfe der Luftwurzeln nicht stattfindet. Junge Haftwurzeln können sich aber in einem geeigneten feuchten Milieu oder bei Kontakt mit dem Boden zu Nährwurzeln umbilden.

Der Efeu wächst vorrangig am Stamm und an den starken Ästen der Bäume. Die für die Photosynthese wichtigen Blätter der Bäume befinden sich im Wald im oberen Teil der Baumkrone, bei freistehenden Bäumen in den Randbereichen. Eine schädliche Lichtkonkurrenz ist nur bei einem sehr starken Bewuchs und einem Überwuchern der Baumkrone möglich. Dies kann vor allem bei sehr lichten Kronen und bei kleinen Bäumen und Sträuchern vorkommen. 

Ein „Erdrosseln“ des Stützgehölzes, indem die wachsenden Efeutriebe den umschlungenen Baum am Dickenwachstum hindern, wird in der wissenschaftlichen Literatur, auch unter Berücksichtigung von  Untersuchungen von Jahresringen gefällter Bäume mit Efeubewuchs, bis dato nicht bestätigt.

Die allgemein verbreitete Ansicht, Efeu könne dadurch Schäden verursachen, dass er die Baumrinde von Licht und Luft abschneidet, ist nicht belegt. Es besteht jedoch bei mehreren einheimischen Harthölzern die Gefahr, dass im Schatten gebildete Rinde durch Sonnenbrand geschädigt wird, wenn der Schatten entfällt. Dies kann der Fall sein, wenn benachbart stehende Bäume gefällt werden, oder auch durch das Entfernen von Efeu. Die Gefahr des Bruchs durch Wind und Schnee, bedingt durch die vergrößerte Angriffsfläche, konnte nur für Sträucher und junge Bäume in der Strauchschicht bestätigt werden, alte gesunde Bäume sind dadurch nicht gefährdet.

Eine erhebliche Schädigung eines Baums durch Nahrungskonkurrenz im Wurzelbereich ist ebenfalls nicht belegt. Im Frühjahr fallendes Laub des Efeus verbessert das Bodenleben hingegen so deutlich, dass seine Anwesenheit für die Stützbäume weniger eine Konkurrenz als eine Förderung darstellt.

Roterlen mit Efeubewuchs im Winter
© Landkreis Leer 

Efeubewuchs muss allerdings bei der Verkehrssicherungspflicht berücksichtigt werden. Bei Bäumen an Straßen und Gebäuden sind dabei die Anforderungen höher als im Wald. Ein Baum muss immer in seiner Gesamtheit untersucht werden. Trotz Efeubewuchs können lichte Kronen, kleine Blätter, absterbende Äste oder trockenes Laub erkannt werden, die auf die Verschlechterung der Vitalität hinweisen. Starke Haftwurzeln und ein dichter Efeubewuchs, z.B. am Stammfuß, können eine Beurteilung erschweren. Dies rechtfertigt aber nicht generell die Entfernung von Efeu.


Juli: Veenhuser Königsmoor

Das Veenhuser Königsmoor liegt im südöstlichen Bereich der Gemeinde Moormerland im Übergang zur Stadt Leer. Das Gebiet gehört zur naturräumlichen Region der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest und der Unterregion des Veenhuser Moorgebietes. Es handelt sich um einen größeren Hochmoorkomplex, der heute im Kernbereich noch unterschiedliche Moormächtigkeiten zwischen 0,60 m und 3 m aufweist. In ihm befindet sich das Wolfsmeer, ein naturnahes Kleinsthochmoor. Teile des Veenhuser Königsmoores wurden durch kleinflächigen oder oberflächennahen Torfabbau verändert und sind dort, wo Kleingewässer entstanden sind (z. B. an Torfstichkanten), für Amphibien, insbesondere für den Moorfrosch, von besonderer Bedeutung. Restflächen naturnaher Hochmoorvegetation sind vorhanden, insbesondere am Wolfsmeer, in Vernässungsflächen im Bereich des Kolk Königsmoor und östlich der K 62.

Der Kolk Königsmoor ist durch einen Sandabbau entstanden. Während Bereiche um den See gezielt angepflanzt wurden, entstanden auf anderen Flächen, die im Normalfall sehr nass sind, Moorbirkenwälder. Es haben sich somit unterschiedliche Waldbiotoptypen entwickelt.


Im Veenhuser Königsmoor sind landwirtschaftliche Nutzflächen vorhanden, die ausschließlich als Grünland genutzt werden. Diese werden dort extensiv bewirtschaftet, wo es sich um Kompensationsflächen handelt. Die Kompensationsflächen sind vor allem mit dem Ziel der Erhaltung und Schaffung von Wiesenvogellebensräumen bzw. der Hochmoorregeneration, in den Raum gelegt worden sind. Teilweise setzt eine Verbrachung ein, Gebüsche entwickeln sich. Südlich des Warsingfehnkanals wurde das Gebiet, um Wasser zurückzuhalten, gepoldert, so dass gute Voraussetzungen für eine Hochmoorregeneration geschaffen wurden.

Das Veenhuser Königsmoor ist in seiner Gesamtheit von besonderer Bedeutung für die Erhaltung, Entwicklung und Wiederher­stellung von Lebensstätten, Biotopen und Lebensgemeinschaften typischer Tier- und Pflanzenarten. Der Kernbereich ist aufgrund seiner hohen Bedeutung für Pflanzen und Tiere als Fauna-Flora-Habitatgebiet gemeldet. Es gehört damit zu den Natura 2000-Gebieten, mit denen ein für ganz Europa repräsentatives System von Lebensräumen mit repräsentativen Tier- und Pflanzenarten in ihrer jeweiligen naturräumli­chen Einbindung gesichert werden.

Das Gesamtgebiet weist Vorkommen von hochmoortypischen Pflanzen- und Tierarten wie Moorfrosch, Waldeidechse, Bekassine, Torfmoose, Weißes Schnabelried, Rundblättriger Sonnentau und Bärlapp auf. Diese sind besonders schutz- und entwicklungswürdig. Es weist zudem verschiedene Lebensraumtypen auf, die selten geworden sind, wie „Moorwälder“, „Lebende Hochmoore“, „Dystrophe (sehr nährstoffarme) Stillgewässer“ und in den Flächen der Hochmoorregeneration auch „Renaturierungsfähige degradierte Hochmoore“.

Da das Veenhuser Königsmoor überwiegend als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, beachten Sie bitte, dass das Gebiet nur auf den vorhandenen, ausgewiesenen Wegen betreten werden darf.

Naturobjekte des Monats Januar - Juni 2018

Naturobjekte des Monats aus dem Jahr 2017

Naturobjekte des Monats aus dem Jahr 2016