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Naturobjekt des Monats

Hier möchten wir Ihnen gerne jeden Monat ein Naturobjekt im Landkreis Leer vorstellen.

August: Efeu und Verkehrssicherheit

Efeu ist eine einheimische, immergrüne Pflanze. Sie ist sehr langlebig und kriecht an der Erde oder klettert mit Hilfe von Luft- und Haftwurzeln bis in 30 m Höhe. In der Jungform sind die Blätter 3-5 lappig, im Alter sind sie ungelappt. Erst dann blüht der Efeu mit grüngelben Doldenblüten. Er ist ein Herbstblüher. Die stark duftenden Blüten sind in der nahrungsarmen Zeit eine wichtige Nektarquelle und ziehen daher Insekten förmlich an. Im Frühjahr zieren dann schwarze Beerenfrüchte die Pflanzen, wenn Vögel nicht schneller waren und sie gefressen haben. Zahlreiche Vögel, z.B. Zaunkönig, finden in dichten Efeugeflechten geschützte Schlaf- und Nistplätze. Die Pflanze ist damit Lebensraum für viele Tierarten. Efeu steht sinnbildlich wegen seiner immergrünen Blätter für die Ewigkeit und ist eine alte Heilpflanze. Alle Teile sind giftig.

Ungelappte Blätter mit noch grünen Früchten
© Landkreis Leer 

Efeu wächst in allen Bereichen des Landkreises Leer, insbesondere in den wallheckenreichen Gebieten klettert er an zahlreichen alten Bäumen. Dies führt zu Vermutungen wie: Efeu durchwurzelt Bäume und schädigt die Rinde, Stämme werde durch immer dicker werdende Haftwurzeln erwürgt, den Bäumen wird das Licht entzogen und sie werden durch das Gewicht des Efeus geschwächt, so dass die Gefahr von Astausbrüchen oder Umkippen besteht.

Bei uns vorkommende Bäume sind vor allem Stieleiche, Sandbirke, Esche, Linde, Roterle und Rotbuche, wobei festgestellt werden kann, dass Stieleichen besonders häufig einen Efeubewuchs aufweisen. In der Regel ist bei gesunden Bäumen davon auszugehen, dass  Efeu unschädlich ist.

Stieleiche mit Efeubewuchs an einer vielbefahrenen Straße im Sommer
© Landkreis Leer 

Der Efeu ernährt sich über Wurzeln im Boden und nimmt hier auch Wasser auf. Haftwurzeln nutzt er zum Klettern, eine Wasseraufnahme erfolgt nicht. Die Haftwurzeln des Efeus können auch keine Nährstoffe aufnehmen, so dass ein Schmarotzen an Bäumen mit Hilfe der Luftwurzeln nicht stattfindet. Junge Haftwurzeln können sich aber in einem geeigneten feuchten Milieu oder bei Kontakt mit dem Boden zu Nährwurzeln umbilden.

Der Efeu wächst vorrangig am Stamm und an den starken Ästen der Bäume. Die für die Photosynthese wichtigen Blätter der Bäume befinden sich im Wald im oberen Teil der Baumkrone, bei freistehenden Bäumen in den Randbereichen. Eine schädliche Lichtkonkurrenz ist nur bei einem sehr starken Bewuchs und einem Überwuchern der Baumkrone möglich. Dies kann vor allem bei sehr lichten Kronen und bei kleinen Bäumen und Sträuchern vorkommen. 

Ein „Erdrosseln“ des Stützgehölzes, indem die wachsenden Efeutriebe den umschlungenen Baum am Dickenwachstum hindern, wird in der wissenschaftlichen Literatur, auch unter Berücksichtigung von  Untersuchungen von Jahresringen gefällter Bäume mit Efeubewuchs, bis dato nicht bestätigt.

Die allgemein verbreitete Ansicht, Efeu könne dadurch Schäden verursachen, dass er die Baumrinde von Licht und Luft abschneidet, ist nicht belegt. Es besteht jedoch bei mehreren einheimischen Harthölzern die Gefahr, dass im Schatten gebildete Rinde durch Sonnenbrand geschädigt wird, wenn der Schatten entfällt. Dies kann der Fall sein, wenn benachbart stehende Bäume gefällt werden, oder auch durch das Entfernen von Efeu. Die Gefahr des Bruchs durch Wind und Schnee, bedingt durch die vergrößerte Angriffsfläche, konnte nur für Sträucher und junge Bäume in der Strauchschicht bestätigt werden, alte gesunde Bäume sind dadurch nicht gefährdet.

Eine erhebliche Schädigung eines Baums durch Nahrungskonkurrenz im Wurzelbereich ist ebenfalls nicht belegt. Im Frühjahr fallendes Laub des Efeus verbessert das Bodenleben hingegen so deutlich, dass seine Anwesenheit für die Stützbäume weniger eine Konkurrenz als eine Förderung darstellt.

Roterlen mit Efeubewuchs im Winter
© Landkreis Leer 

Efeubewuchs muss allerdings bei der Verkehrssicherungspflicht berücksichtigt werden. Bei Bäumen an Straßen und Gebäuden sind dabei die Anforderungen höher als im Wald. Ein Baum muss immer in seiner Gesamtheit untersucht werden. Trotz Efeubewuchs können lichte Kronen, kleine Blätter, absterbende Äste oder trockenes Laub erkannt werden, die auf die Verschlechterung der Vitalität hinweisen. Starke Haftwurzeln und ein dichter Efeubewuchs, z.B. am Stammfuß, können eine Beurteilung erschweren. Dies rechtfertigt aber nicht generell die Entfernung von Efeu.


Juli: Veenhuser Königsmoor

Das Veenhuser Königsmoor liegt im südöstlichen Bereich der Gemeinde Moormerland im Übergang zur Stadt Leer. Das Gebiet gehört zur naturräumlichen Region der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest und der Unterregion des Veenhuser Moorgebietes. Es handelt sich um einen größeren Hochmoorkomplex, der heute im Kernbereich noch unterschiedliche Moormächtigkeiten zwischen 0,60 m und 3 m aufweist. In ihm befindet sich das Wolfsmeer, ein naturnahes Kleinsthochmoor. Teile des Veenhuser Königsmoores wurden durch kleinflächigen oder oberflächennahen Torfabbau verändert und sind dort, wo Kleingewässer entstanden sind (z. B. an Torfstichkanten), für Amphibien, insbesondere für den Moorfrosch, von besonderer Bedeutung. Restflächen naturnaher Hochmoorvegetation sind vorhanden, insbesondere am Wolfsmeer, in Vernässungsflächen im Bereich des Kolk Königsmoor und östlich der K 62.

Der Kolk Königsmoor ist durch einen Sandabbau entstanden. Während Bereiche um den See gezielt angepflanzt wurden, entstanden auf anderen Flächen, die im Normalfall sehr nass sind, Moorbirkenwälder. Es haben sich somit unterschiedliche Waldbiotoptypen entwickelt.


Im Veenhuser Königsmoor sind landwirtschaftliche Nutzflächen vorhanden, die ausschließlich als Grünland genutzt werden. Diese werden dort extensiv bewirtschaftet, wo es sich um Kompensationsflächen handelt. Die Kompensationsflächen sind vor allem mit dem Ziel der Erhaltung und Schaffung von Wiesenvogellebensräumen bzw. der Hochmoorregeneration, in den Raum gelegt worden sind. Teilweise setzt eine Verbrachung ein, Gebüsche entwickeln sich. Südlich des Warsingfehnkanals wurde das Gebiet, um Wasser zurückzuhalten, gepoldert, so dass gute Voraussetzungen für eine Hochmoorregeneration geschaffen wurden.

Das Veenhuser Königsmoor ist in seiner Gesamtheit von besonderer Bedeutung für die Erhaltung, Entwicklung und Wiederher­stellung von Lebensstätten, Biotopen und Lebensgemeinschaften typischer Tier- und Pflanzenarten. Der Kernbereich ist aufgrund seiner hohen Bedeutung für Pflanzen und Tiere als Fauna-Flora-Habitatgebiet gemeldet. Es gehört damit zu den Natura 2000-Gebieten, mit denen ein für ganz Europa repräsentatives System von Lebensräumen mit repräsentativen Tier- und Pflanzenarten in ihrer jeweiligen naturräumli­chen Einbindung gesichert werden.

Das Gesamtgebiet weist Vorkommen von hochmoortypischen Pflanzen- und Tierarten wie Moorfrosch, Waldeidechse, Bekassine, Torfmoose, Weißes Schnabelried, Rundblättriger Sonnentau und Bärlapp auf. Diese sind besonders schutz- und entwicklungswürdig. Es weist zudem verschiedene Lebensraumtypen auf, die selten geworden sind, wie „Moorwälder“, „Lebende Hochmoore“, „Dystrophe (sehr nährstoffarme) Stillgewässer“ und in den Flächen der Hochmoorregeneration auch „Renaturierungsfähige degradierte Hochmoore“.

Da das Veenhuser Königsmoor überwiegend als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, beachten Sie bitte, dass das Gebiet nur auf den vorhandenen, ausgewiesenen Wegen betreten werden darf.



Juni: Eisvogel

Der farblich besonders auffällige Eisvogel ist – obwohl er in Mitteleuropa flächendeckend verbreitet ist - relativ selten zu beobachten. Sein Lebensraum sind Gewässer und deren Uferbereiche, z.B. Flüsse, Kanäle, Entwässerungsgräben, Teiche oder Küstenbereiche.

Ob der Namensteil „Eis“ davon herrührt, dass der Vogel im Winter häufiger an zugefrorenen Gewässern zu finden ist und sein Federkleid oben eisblau schimmert, ist nicht sicher. Es ist auch denkbar, dass der Name vom altdeutschen „Eisan“ stammt, was mit „schillern“ oder „glänzen“ übersetzt werden kann oder vom Wort „Eisen“, da die Rückenfedern stahlblau schimmern und die Unterseite eine rostrote Färbung hat.

Eisvogel_Warte
© pixabay 

Das farbig auffällige Federkleid macht den Eisvogel für Naturbeobachter zu einer Besonderheit. Auffällig sind auch der im Verhältnis zur Körpergröße recht große Kopf und ein langer Schnabel. Im Lebensraum des Eisvogels sind die auffälligen Farben eine wirksame Tarnung. Wenn der Eisvogel an der Wasseroberfläche jagt, ist er von oben gesehen vor dem bewegten Wasser mit dem Blau vor Feinden gut getarnt. Von unten tarnen die orange-roten Federn im Zusammenspiel mit den Bodenbereichen des Ufers bzw. dem Geäst der Ansitzwarten. Auch seine Beute kann ihn dann schwer erkennen.

Der Eisvogel ernährt sich vorwiegend von kleinen Fischen, aber auch von Kaulquappen, kleinen Fröschen oder Molchen, Wasserinsekten oder deren Larven. Dazu benötigt er Warten in Gewässernähe, z.B. überhängender Uferbewuchs. Kleine Fische fängt er mit dem Schnabel, nachdem er kopfüber kurz in das Wasser eintaucht. Der Fisch wird entweder sofort nach dem Fang – mit dem Kopf voran – verspeist oder zunächst auf der Warte „erschlagen“. Der Eisvogel gilt als hervorragender Fischer – im englischsprachigen Raum wird er deshalb „kingfisher“ genannt.

Eisvogel_Beute
© pixabay 

Außer saubere Gewässer mit einem ausreichenden Nahrungsangebot benötigt der Eisvogel geeignete Brutplätze. Das können an den Gewässer Abbruchkanten, Prallhänge, Böschungen oder Steilufer sein. Darin werden Niströhren gebaut. Gebrütet wird in der Zeit von Mai bis Ende August. In der Regel gibt es zwei Bruten, selten auch drei. Während das Männchen noch die erste Brut füttert, bebrütet das Weibchen bereits die zweite Brut in einer anderen Bruthöhle („Schachtelbruten“). Aus 5-7 Eiern schlüpfen nach etwa 21 Tagen die Jungvögel, nach weiteren 25 Tagen verlassen sie die Höhle und müssen sich schon nach wenigen Tagen ein eigenes Revier suchen.

Die hohe Fortpflanzungsrate dient auch dem Ausgleich häufiger Verluste im Winter. Gerade in kalten Wintern mit zugefrorenen Gewässern wird das Nahrungsangebot knapp.

Feinde des Eisvogels sind u.a. Hecht, Wiesel, Sperber, Ratten und schließlich auch der Mensch. Fehlende naturnahe Gewässerufer oder eine zu frühe Grabenreinigung bedrohen das Brutgeschäft. Auch regelmäßige Störungen durch Freizeittourismus auf den Gewässern führen zum Abbruch des Brutgeschäftes.

Dem Schutz des Eisvogels kommen der Erhalt naturnaher Gewässer bzw. Renaturierungsmaßnahmen sowie eine Verbesserung der Wasserqualität zu Gute.

Mai: Ess-Kastanie (Castanea sativa) - Baum des Jahres 2018

Die auch als Edelkastanie oder Marone bekannte Ess-Kastanie gehört zwar nicht zu den heimischen Baumarten, hat aber bereits eine sehr lange Tradition in unserer Kulturlandschaft, vor allem in Südwestdeutschland. Trotz der Ähnlichkeit der Früchte und des Namens besteht keine Verwandtschaft mit der bei uns wesentlich häufiger gepflanzten Rosskastanie.

Wegen der weit zurückgehenden Anbautradition ist das ursprüngliche Verbreitungsgebiet nicht exakt bekannt - genetische Untersuchungen führen zu der Annahme, dass die überwiegenden europäischen Bestände auf Pflanzen aus Kleinasien zurückgehen. Bereits seit der Antike wird die Ess-Kastanie im Mittelmeerraum angebaut, die Römer brachten die Art an den Rhein, die Mosel und die Saar. Ess-Kastanien wurden in unmittelbarer Nähe zu Weinbergen als Niederwald kultiviert. Aus dem haltbaren Holz wurden u. a. Rebstöcke hergestellt. Darüber hinaus fand das Holz u. a. Verwendung beim Bau von Zäunen, Fässern sowie im Hausbau und Schiffbau.

Die Früchte (botanisch handelt es sich um „Nüsse“) hatten lange Zeit eine hohe Bedeutung als Lebensmittel. Auch als „Maronen“ bekannt, haben sie einen hohen Gehalt an Kohlenhydraten. Früher hatten sie einen hohen Stellenwert in der Ernährung der Landbevölkerung in den südeuropäischen Bergregionen. In gehobenen Schichten waren sie als Beilage begehrt. Heute kennen wir die Maronen als „Heiße Maroni“, wie sie z. B. auf Jahrmärkten und Weihnachtsmärkten angeboten werden. Dazu werden die Kastanien im Ofen geröstet. Die Stärke verwandelt sich dabei in Zucker. In Frankreich, wo es noch heute großflächigen Anbau gibt, findet die Ess-Kastanie eine vielseitige Verwendung in der Küche: beispielsweise als Suppe, als Füllung von Gerichten sowie in Form kandierter Früchte oder als süße Creme im Dessert oder in Form von Brotaufstrich.

Esskastanie

Neben der Nutzung der Früchte und des Holzes fand und findet die Ess-Kastanie auch Verwendung als Solitärbaum an Hofstellen, auf Dorfplätzen oder in Parkanlagen. Die Bäume können über 30 m hoch werden, haben eine breite Krone und können ein Alter von mehr als 500 Jahren erreichen. Die sommergrünen, elliptisch bis lanzettlichen Blätter mit gezähnten Blatträndern sind dunkelgrün glänzend und treiben Ende April/Anfang Mai aus. Die Blüten - getrennt nach weiblichen und männlichen Blüten sind sie auf einer Pflanze vorhanden - erscheinen im Juni/Juli. Sie riechen stark.

Esskastanie

Auch in Norddeutschland kommt die Ess-Kastanie zur Fruchtreife. Hier wurde und wird sie aber weniger als Nutzpflanze, sondern mehr als Zierpflanze z. B. in Parks gepflanzt.

So wurde kürzlich in Weener im kleinen Park vor dem Rathaus ein Exemplar gepflanzt, um die Ess-Kastanie ein wenig aus ihrem Schattendasein zu holen. Bis die ersten stacheligen Fruchtbecher ihre Plumpsfrüchte (die heißen wirklich so!) entlassen und die ersten „heißen Maroni“ im Rathaus verzehrt werden können, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen.

 

April: Landschaftsrahmenplanung im Landkreis Leer

Im Landkreis Leer wird im April mit der Neuaufstellung eines Landschaftsrahmenplans (LRP) begonnen. Dabei handelt es sich um einen Naturschutz-Fachplan für das Kreisgebiet. Hierin wird in textlicher und kartografischer Form zunächst der Zustand der Natur, aufgegliedert nach den sogenannten Schutzgütern Boden, Wasser, Klima/ Luft, Arten und Biotope und Landschaftsbild erfasst und bewertet. Aufbauend darauf wird ein Zielkonzept erarbeitet. Dieses befasst sich im Wesentlichen mit der Leitfrage „wie kann und soll sich der Naturhaushalt und das Landschaftsbild im Kreisgebiet langfristig entwickeln?“. Wenn die Ziele definiert sind werden hieraus Maßnahmen formuliert, die der Erreichung der Ziele dienen können und Vorschläge zur Umsetzung, bspw. Fördermöglichkeiten, gemacht. Der Planungshorizont für den LRP liegt bei ca. 10-15 Jahren.

Mit dem LRP gibt es also eine fundierte Grundlage für den Zustand und die angestrebten Entwicklungen der Kreisfläche aus Naturschutzsicht. Verbindlich sind die Ziele jedoch nicht, da der LRP ein reiner Fachplan ist. Erst durch Übernahme von Zielen oder Maßnahmen in rechtsverbindliche Planungen kann die Umsetzung festgesetzt werden; als solche zu nennen sind insbesondere das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP), welche die gesamträumliche Entwicklung des Landkreises steuert, oder auch die Bauleitpläne der einzelnen Gemeinden. Für die Arbeit der Naturschutzbehörde ist der LRP dennoch als Datengrundlage sehr hilfreich. Bislang nur als Stückwerk vorhandene Daten werden mit dem Planwerk systematisiert und aktualisiert und es werden klare Zielrichtungen entwickelt.

Wie eingangs bereits erwähnt, wird nimmt die Erstellung des LRP für das Kreisgebiet in diesem Frühjahr nun Fahrt auf. Dies wurde auch Zeit, denn wie die unten angeführte Darstellung zeigt, ist der Landkreis Leer eines der „Schlusslichter“ im Vergleich zu anderen Kommunen Niedersachsens. In den meisten Landkreisen wurden bereits LRPs erarbeitet, zum Teil wurden sogar Neuaufstellungen gestartet. Aber immerhin existiert auch in Leer ein LRP im Entwurf, der schwerpunktmäßig in den 1990er Jahren erarbeitet wurde. Zwar hat sich seither im Landkreis Leer einiges getan, aber andere Aspekte haben nach wie vor Gültigkeit.

Die Erarbeitung liegt in der Verantwortung des Amtes für Planung und Naturschutz des Landkreises Leer. Die Aufgabe wurde aber an eine Planungsgemeinschaft vergeben, welche die o.g. Bausteine in enger Abstimmung mit der Behörde erarbeitet. Auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung und die Einbindung von Akteuren wird im Planungsverlauf erfolgen, in welcher Form muss sich im Laufe des Verfahrens noch herausstellen.

Die Bearbeitung des LRP nimmt mehrere Jahre in Anspruch. Schon seit 2016 wurden auch vorbereitende Maßnahmen getroffen, u. a. Recherche zu vorliegenden Daten zu den einzelnen Schutzgütern und deren Aktualität sowie eine Luftbildauswertung zu Biotoptypen. In 2017 ist eine ergänzende Geländekartierung durchgeführt worden. Die Fertigstellung des LRPs wird frühestens 2020 erfolgen.

März: Saatkrähen

Schon viel gab es in der Presse und in der öffentlichen Diskussion über die Saatkrähe (Corvus frugilegus) zu lesen und zu hören. Selten fielen dabei positive Worte. Denn Hören und Sehen sind dabei gute Stichworte: Die Saatkrähenpopulationen im Landkreis Leer erregen gerade deshalb so viel Unmut, weil ihr „Krächzen“ weithin zu hören und ihre Kotspuren in den Einflugbereichen ihrer Kolonien nicht zu übersehen sind.

Im Folgenden soll die Art etwas näher vorgestellt werden, vielleicht kann dadurch auch ein bisschen Sympathie für den lautstarken Vogel geweckt werden:

Saatkrähen

Die Saatkrähe gehört der Familie der Krähenverwandten Corvidae und damit auch der Familie der Singvögel an, was für alle von dem „Krach“ Betroffenen, den Saatkrähenkolonien mitunter verursachen, ironisch klingen mag. In Deutschland lebende Verwandte der Arte sind Kolkraben, Nebelkrähe und Rabenkrähe. Wichtiges Erkennungsmerkmal der Saatkrähe ist vor allem der grauweißliche Schnabelansatz.

Saatkrähen leben in der Regel monogam, oft jahreslang mit demselben Partner. Gern nehmen die Paare ihr Nest aus dem Vorjahr für eine neue Brut wieder an, sofern es nicht durch einen Sturm o.ä. aus dem Baum gefallen ist. Die Vögel leben in Kolonien ganz unterschiedlicher Größenordnungen von wenigen bis zu mehreren Hundert Nestern. Ab Mitte Januar werden die Neststandorte aufgesucht, im Februar kann man die Vögel verstärkt beim geschäftigen Nestbau beobachten.

Interessant sind neueste Erkenntnisse, nach denen sich Saatkrähen in der Wahl ihres Nistmaterials und der Nestbäume spezialisieren. D. h. es gibt beispielsweise Saatkrähen, die vorwiegend Buchenzweige zum Nestbau nutzen und ihre Nester in Linden errichten. Diese „Vorlieben“ sind ganz individuell und werden i.d.R. von den Tieren zeit ihres Lebens beibehalten.

Nest Saatkrähe

Ein Gelege - je nach Witterung und Nahrungsverfügbarkeit ca. zwischen März und Mai - besteht meist aus 3-4 Eiern. Die Weibchen bleiben auf dem Nest, während die Männchen von den Brutkolonien zu Nahrungsräumen ausschwärmen. I.d.R. decken sie so einen Radius von 1 bis wenigen Kilometer ab. Wie der Name „Saatkrähe“ richtig besagt, sind Saatkörner eine Hauptnahrungsquelle der Art. Aber auch tierische Nahrung steht auf ihrem Speiseplan.

Lange Zeit galten Saatkrähen auch als Ernteschädlinge, so dass sie vor allem in ländlichen Gebieten gejagt wurden. Die schlauen Vögel lernten dabei schnell, dass sie in Siedlungen Schutz vor einer übermäßigen Bejagung finden und verlagerten ihren Lebensraum so immer mehr in die Nähe des Menschen. Hinzu kommt der fortschreitende Verlust von Nahrungsflächen, insbesondere Dauergrünland. Dies führt dazu, dass wir heutzutage Saatkrähenpopulationen vor allem in Siedlungen oder in Siedlungsrandbereichen finden.

Nachdem der Bestand bis in die 1970er Jahre durch Jagd stark minimiert wurde, wurde der gesetzliche Schutz der Art verstärkt - die Art fällt seitdem nicht mehr unter das jagdbare Wild. Dies führte zu einer Erholung der Bestände, so dass heutzutage in Niedersachsen wieder etwa 19.000 Brutpaare als Standvögel zu vermelden sind.

Krähen

An problematischen Standorten, also dort, wo Lärm und Kot der Tiere zu gravierenden Beeinträchtigungen führen, bspw. in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern, sind daher gute Konzepte erforderlich, welche vorrangig eine Umsiedlung der Tiere auf weniger problemträchtige Flächen zielen. Aber unabhängig von dem Krach und dem Dreck, den die Tiere verursachen, lohnt sich ein Blick in die Baumkronen und die Beobachtung des geschäftigen Treibens der schlauen Tiere.

Infomaterial:
NLWKN, Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 1/2015: Die Saatkrähe Corvus frugilegus als Brutvogel in Niedersachsen


Februar: Grünland

Der Landkreis Leer wird durch die landwirtschaftliche Nutzung seiner Flächen in starkem Maße geprägt. So finden sich in allen Regionen unseres Landkreises neben der Ackerwirtschaft großflächige, saftige Wiesen und Weiden. Sie prägen unser Landschaftsbild und verschönern es gleichzeitig.

Grünland

Aus wissenschaftlicher Sicht beinhaltet das Grünland alle beständigen Pflanzengemeinschaften aus Kräutern und Gräsern, die natürlich oder durch Nutzung des Menschen entstanden sind. Zum Grünland gehören daher gedüngte und ungedüngte Wiesen und Weiden zur Futtergewinnung, aber auch Mähwiesen zur Biomasse- und Einstreugewinnung sowie Naturschutzflächen, wie z. B. Feuchtgrünland und Magerrasen.

Bemerkenswert ist, dass es ohne landwirtschaftliche Nutzung im Waldklima Mitteleuropas keine Wiesen oder Weiden geben würde (mit Ausnahme des seltenen, natürlichen Grünlands, welches aufgrund der natürlichen Gegebenheiten keine Bäume oder Sträucher aufweist). Von den Pflanzenarten auf „normalen“ Grünlandstandorten breiten sich durch menschliches Handeln nur solche Vertreter aus, die sich in irgendeine Form an den Bewirtschaftungsrhythmus anpassen. Dabei ist zu beachten, dass die Mahd und die Beweidung die Grünlandpflanzen aber nur mittelbar fördern. An und für sich werden alle Arten auf dem Grünlandstandort mehr oder weniger stark durch die jeweilige Nutzung beschädigt. Den ihnen beigebrachten Schaden überstehen jedoch die Charakterarten der Wiesen und Weiden besser als z. B. die Baum- und Strauchgewächse.

Grünlandstandorte sind aber auch neben der nutzungsbedingten Schnitthäufigkeit, dem Schnittzeitpunkt und der Düngung von den Standortbedingungen wie Geologie, Morphologie, Klima, Boden und Wasserhaushalt sowie der vorhandenen Samenbank im Boden geprägt.

Bleiben Mahd und Beweidung jedoch länger aus, bewalden sie sich die Flächen in unterschiedlicher Geschwindigkeit über Zwischenstadien wieder.

Grünland

Für Niedersachsen sind insbesondere folgende Arten von Grünlandbiotoptypen (Haupteinheiten) in mannigfachen Ausprägungen vorhanden:

- Mesophiles Grünland

- Bergwiese

- Seggen-, binsen- oder hochstaudenreiche Nasswiese

- Sonstiges artenreiches Feucht- und Nassgrünland

- Artenarmes Extensivgrünland

- Artenarmes Intensivgrünland

- Grünland-Einsaat

- Sonstige Weidefläche

 

Diese Grünlandarten unterscheiden sich in ihrer Artenzusammensetzung. Wird die landwirtschaftliche Nutzung z.B. stärker betrieben, ist in der Regel das floristische Artenspektrum geringer und die Gräser überwiegen.

Einige dieser vorgenannten Biotoptypen sind aber nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in Verbindung mit § 24 Niedersächsisches Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutz (NAGBNatSchG) gesetzlich geschützt. Es handelt sich bei diesen Biotopen oft um Wiesen und Weiden mit einer geringen Nutzungsintensität, sogenanntes Extensivgrünland, die meist besondere Grünlandgesellschaften bzw. bestimmte seltene Pflanzenarten aufweisen. In diesen Fällen gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz: Niemand darf Handlungen begehen, die die in § 30 Abs. 2 BNatSchG und § 24 Abs. 2 NAGBNatSchG im einzelnen aufgeführten Biotope zerstören oder sonst erheblich beeinträchtigen können. Von dem gesetzlichen Zerstörungs- und Beeinträchtigungsverbot sind aber auf Antrag Ausnahmen durch die untere Naturschutzbehörde möglich, wenn die hierdurch entstehenden Beeinträchtigungen des Naturhaushalts oder des Landschaftsbildes durch Ausgleichsmaßnahmen ausgeglichen werden (§ 30 Abs. 3 BNatSchG). Außerdem besteht in besonderen Fällen auch die Möglichkeit einer Befreiung (§ 67 BNatSchG in Verbindung mit § 41 NAGBNatSchG).

Grünland

Neben dem Begriff „Grünland“ wird auch mehrfach von „Dauergrünland“ gesprochen. Beides ist nicht notwendig identisch, denn „Dauergrünland“ ist ein Begriff aus der Landwirtschaft und wie folgt definiert: Dauergrünland umfasst Flächen, die durch Einsaat oder durch Selbstaussaat zum Anbau von Gräsern oder anderen Grünfutterpflanzen genutzt und mindestens fünf Jahre nicht als Acker genutzt werden

 

Januar: Birke

Gerade in unseren Breitengraden ist die Birke eine häufige und geschätzte Baumart, die in fast allen landschaftlichen Räumen unseres Landkreises auftritt. Als lichtliebende Art besiedelt sie vorwiegend arme Böden, insbesondere feuchte als auch trockene Moor- und Sandböden. Dies ist auch nicht verwunderlich, da sie sehr bodentolerant, sehr frosthart und trockenheitsresistent ist. Die Birken sind oft Pionierarten bei der Erstbesiedlung von Wäldern, wobei sie in der Regel nach 30-60 Jahren dann anderen Laubhölzern Platz machen. Daneben werden sie – wie das nachstehende Foto zeigt – auch als Straßenbaum in der freien Landschaft genutzt.

Birken

Der Laubbaum kann Wuchshöhen bis zu zwanzig Metern und eine Breite von rund zehn Metern erreichen, wobei zumeist ein schmal eiförmig bis schirmförmiger Habitus auftritt. Bemerkenswert ist die auffällige weiße Rinde des Stammes, die besonders am Stammfuß eine tiefrissige, dunkle Borke bildet. Die Zweige sind meist dünn und oft lang überhängend. Der Blatt ist größtenteils rautenförmig bis dreieckig und zeigt im Herbst eine goldgelbe Farbe.

Birke

Die für unsere Region heimischen Arten Sandbirke (Betula pendula) und Moorbirke (Betula pubescens) zählen bei den Insekten zu den wichtigsten Bäumen. So können über einhundert verschiedene Insektenarten an Sand- und Moorbirken auftreten, wodurch die Birke damit zu den von Insekten am stärksten genutzten einheimischen Baumarten zählt.

Gerade heimische Baumarten übernehmen für unsere Tierwelt als Lebensraum eine deutlich höhere ökologische Funktion als die nichtheimischen, standortfremden Bäume (z. B. Nadelbäume). Dies beruht darauf, dass sich die heimischen Pflanzen und Tiere im Laufe der Jahrtausende sowohl aneinander als auch an die äußeren Standortfaktoren (Boden, Wasser, Luft und Klima) angepasst haben. Daneben prägen unsere Bäume das Orts- und Landschaftsbild und zeigen mit ihren Farben und Formen einen Kontrast zum Erscheinungsbild der Siedlungen und Städte mit ihren Bauten und versiegelten Flächen auf.

 

Naturobjekte des Monats aus dem Jahr 2017

Naturobjekte des Monats aus dem Jahr 2016