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Abgesagt - Film "Rosa - eine unsichtbare Frau" und Gespräch mit Farschid Ali Zahedi

06.11.2020
19:00 Uhr

Theater an der Blinke

Leer (Ostfriesland)
Landkreis Leer
Eintritt frei
Kreisverwaltung
Bergmannstraße 37
26789 Leer (Ostfriesland)
Adresse über Google Maps »

Telefon: 0491 926-0 (Zentrale)
Fax: 0491 926-1388 (Zentrale)
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Weitere Informationen zur Veranstaltung:

*** Die EJS bleibt aufgrund der aktuellen Corona-Lage und der neuen Verordnung des Landes bis voraussichtlich zum 30. November geschlossen. Auch die für Freitag, 6. November, geplante Filmvorführung "Rosa - Eine unsichtbare Frau" im Theater an der Blinke entfällt. Sobald wie möglich wird diese nachgeholt.***

Vorher Klezmermusik (draußen bei gutem Wetter) mit Saxophon-Ensemble "Carpe diem", Leitung: Uwe Heger

Voranmeldung unter: kultur@lkleer.de, Tel.: 0491 926 4100 oder 0491 9264101

Zum Projekt „Rosa – Eine unsichtbare Frau/Een onzichtbare Vrouw“


Wer war Rosa Lazarus? Dieser Frage geht das Team von Werkstattfilm e.V. um den Filmemacher Farschid Ali Zahedi in dem deutsch-niederländischen Kooperationsprojekt nach. Die außergewöhnliche Geschichte der in Stapelmoor geborenen und anschließend in Oldenburg lebenden Jüdin Rosa Lazarus ist keine Heldengeschichte, sondern handelt vom Leben und Überleben einer ganz gewöhnlichen Frau. Rosa Lazarus floh vor den Nationalsozialisten in die Niederlande und wurde vom Groninger Theologen Binne Roorda gemeinsam mit sieben anderen Jüdinnen und Juden mehrere Jahre in dessen Haus versteckt.
Zahedi dazu: „Anhand von Rosas Lebenswegs wird ein bisher in der lokalen Geschichtsschreibung des Raums Oldenburg – Ostfriesland – Groningen vernachlässigtes Kapitel beleuchtet und neue Perspektiven für grenzübergreifende und gleichzeitig lokal verwurzelte Erinnerungskultur eröffnet.“ Alle Bestandteile des Projekts erscheinen in einer deutschsprachigen sowie einer niederländischen Version. Kooperationspartner sind u.a. die Jüdische Gemeinde Groningen, ein niederländisches Rechercheteam um Ytje Stevens-Roorda, Klaasjan Pol und Otto Wiersma, sowie die Jüdische Gemeinde Oldenburg. Das Projekt wird gefördert vom EU Förderprogramm Interreg Deutschland-Nederland, der Stadt Oldenburg sowie dem Landkreis Leer.

Dokumentarfilm
Regie: Farschid Ali Zahedi / D 2020 / Länge: 72 Minuten
Anhand historischer Dokumente, Fotografien, originaler Schauplätze und Berichten von Zeitzeugen zeichnet der Film ein Bild einer ganz gewöhnlichen und unscheinbaren Frau, deren Leben jedoch alles andere als gewöhnlich verlief. Beginnend in Stapelmoor verfolgt der Film die Stationen auf Rosas Weg und rekonstruiert ihr Lebensumfeld sowie die Umstände, die ihr Leben prägten.

Die unverheiratete Rosa Lazarus lebte ab den 1920er Jahren als Haushälterin in Oldenburg bei ihrem Bruder Samuel, der einen Viehhandel am Damm betrieb. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch für die Familie Lazarus die Entrechtung und Verfolgung, von der Samuels Sohn Jan Lawrence im Film als Zeitzeuge eindrücklich berichtet.
In der zweiten Hälfte der 30er Jahre floh Rosa vor den Nationalsozialisten in die Niederlande und lebte zwischenzeitlich wieder auf dem Hof der verstorbenen Eltern in Stapelmoor. Anfang der 1940er Jahre gelangte sie nach Groningen zu ihrer Tante Greetje van Dam und deren Mann Benjamin. Dort führte Rosa den Haushalt, bevor sie zusammen mit der Familie van Dam Unterschlupf bei Binne Roorda fand. Ausführlich erzählt der Film über die Jahre im Versteck bei Binne Roorda, an die sich der Zeitzeuge Ben van Dam erinnert, der damals im Kindesalter zusammen mit Rosa versteckt wurde. Ytje Stevens- Roorda recherchiert seit Jahren zur Geschichte ihres Großvaters und gibt wertvolle Einblicke in das Leben, den Charakter und die Handlungsmotivation von Binne Roorda. Der mutige Theologe verriet die versteckten Juden nicht und wurde von den Nazis 1945 ermordet. Rosa lebte nach 1945 zunächst an verschiedenen Orten, bevor sie wieder zu ihrem Bruder Samuel nach Oldenburg in die Donnerschweer Straße und dann nach Stapelmoor auf den elterlichen Hof zurückkehrte. Im Film geben Zeitzeugen aus Stapelmoor sowie aus Rosas familiären Umfeld einen Einblick in ihre Persönlichkeit und ihren Charakter. Wer Rosa Lazarus war, ist jedoch auch am Ende des Films schwer zu beantworten. Rosa war keine Frau, die viele Spuren hinterließ, doch in ihrem Lebensweg führen verschiedene bemerkenswerte Geschichten zueinander. Über die Rekonstruktion der Konstellationen und Umfelder, in denen Rosa sich an bestimmten Punkten ihres Lebens bewegte, gelingt dem Film ein Einblick in ihre Lebensrealität, die geprägt war durch die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden.

Zahedi dazu: „Rosas Biographie bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung mit der komplexen Geschichte von Verfolgung, Flucht und Migration während der NS-Zeit sowie mit der Geschichte des niederländischen Widerstands, die in der Person von Binne Roorda sichtbar wird.“ Der Oldenburger Filmemacher Farschid Ali Zahedi beschäftigt sich seit den 1990er Jahren in zahlreichen Dokumentarfilmen mit der Geschichte des Nationalsozialismus in Oldenburg und Umgebung. Zusammen mit dem Team des von ihm gegründeten Vereins Werkstattfilm macht er Aspekte der regionalen Geschichte einem breiten Publikum zugänglich und bewahrt sie vor dem Vergessen. Als Zahedi vor über fünf Jahren auf den Namen Rosa Lazarus aufmerksam wurde, war so gut wie nichts bekannt über ihre Biografie, die Werkstattfilm dann in den letzten Jahren in einer aufwendigen Spurensuche rekonstruierte.

Zahedi dazu: „Der Film präsentiert die Ergebnisse einer aufwendigen Spurensuche. Sein Anliegen ist es, Rosa Lazarus ein Gesicht zu geben und ihr Schicksal vor dem Vergessen bewahren.“

 

 

Rosa_LazarusFlyer2020_1mm (002) Rosa_LazarusFlyer2020_1mm (002) Seite 2

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