Historische Schlosslinde lebt in ihren Nachkommen weiter
Ableger aus 350 Jahre altem Baum wachsen im Schlosspark der Evenburg heran
Aus einer rund 350 Jahre alten Linde entstehen im Schlosspark der Evenburg seit einigen Jahren neue Bäume. Das Gärtnerteam des Schlosses zieht die Nachzuchten aus sogenannten Absenkern von Stockausschlägen der historischen Linde an der Schlossbrücke. Ziel des Projekts ist es, den charakteristischen und geschützten Baumbestand des Parks langfristig zu erhalten und das genetische Erbe des alten Baumes zu bewahren. „Wenn ein Baum seit mehreren 100 Jahren erfolgreich an einem Standort wächst, muss er sich optimal an die örtlichen Begebenheiten und klimatischen Bedingungen angepasst haben. Dieses Exemplar hat sich auch im Zuge des Klimawandels bewährt“, erklärt Gärtnermeister Joachim Köster. Deswegen sei es nur sinnvoll, die Gene zu erhalten und für weitere Pflanzungen im Park zu nutzen.
„Baum-im-Baum-Pflanzung“ hat entscheidenden Vorteil
Die Anzucht der jungen Linden begann im Jahr 2016. Inzwischen konnten bereits mehrere Nachzuchten erfolgreich herangezogen werden. Ein Teil der Bäume wurde in einer sogenannten „Baum-im-Baum-Pflanzung“ an Standorten eingesetzt, an denen zu Jahresbeginn aus Gründen der Verkehrssicherheit einzelne Linden gefällt werden mussten. Die Zöglinge wachsen nun in den Überbleibseln ihrer Vorgänger heran, um deren Platz einzunehmen. Die „Baum-im-Baum-Pflanzung“ hat einen entscheidenden Vorteil: „Der Park steht wie das Schloss unter Denkmalschutz“, erklärt Köster. Jede Pflanzung muss mit der Denkmalschutzbehörde der Stadt Leer abgesprochen werden. Wenn ein Baum einen anderen eins zu eins an seinem Standort ersetzt, erleichtere dieses den Vorgang, denn: „das Ziel, das Erscheinungsbild des Parks möglichst genau zu erhalten, ist somit optimal gegeben.“ Weitere Nachzuchten wachsen derzeit in den Streifenbeeten des Schlossparks heran und können bei Bedarf verpflanzt werden. In diesem Vorgehen werden somit Denkmalschutz und Klimaschutz auf außergewöhnliche Weise kombiniert.
Nachzuchtgeneration hat einen Namen bekommen
Die regionale Nachzucht ist so außergewöhnlich, dass die selektierte und somit neu entstandene Sorte einen eigenen Namen bekommen hat. Beim diesjährigen Frühlingsmarkt taufte Landrat Matthias Groote die Nachzuchtgeneration auf den Namen „Evi“. Die Nachzucht der Evenburg-Linde zeigt, wie historische Parkanlagen mit gärtnerischem Fachwissen und Weitblick für kommende Generationen bewahrt werden können. „Schön wäre natürlich, wenn jemand in 350 Jahren dann Ableger aus unseren Nachzuchten nimmt“, so Köster. Dann bliebe auch die „Evi“ weiter erhalten.