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Datum: 09.10.2026

30 Jahre grenzenlos Radfahren zwischen Deutschland und den Niederlanden

Die Internationale Dollard Route feiert Jubiläum und ist heute fast doppelt so lang wie zur Gründung

Die Internationale Dollard Route (IDR) feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Der grenzüberschreitende Radwanderrundkurs zwischen Deutschland und den Niederlanden entstand damals als Reaktion auf eine schwierige wirtschaftliche Lage mit hoher Arbeitslosigkeit. Die Europäische Union förderte ihn über das Interreg-Programm „Tourismus ohne Grenzen". 

Dieter Schröer, ehemaliger Wirtschaftsförderer des Landkreises Leer, Ideengeber und erster IDR-Geschäftsführer, erinnert sich: „Alle Kommunen waren knapp bei Kasse und konnten sich keine teure Infrastruktur leisten. Wir haben uns daher auf das Projekt Tourismus konzentriert, das wir aus eigener Kraft umsetzen konnten."

Am 29. Mai 1996 gründeten die Partner den Verein, am 2. August 1996 eröffnete die Route offiziell.

Gründungsmitglieder waren damals die deutschen Städte und Gemeinden Leer, Papenburg, Weener, Bunde, Jemgum, Emden sowie der Landkreis Leer und auf niederländischer Seite die Gemeinden Reiderland, Winschoten, Scheemda, Appingedam und Delfzijl. 

Warum die Route „Dollard“ mit „d“ geschrieben wird

Warum die Route „Dollard“ mit „d“ geschrieben wird, wird seit der Gründung bis heute gefragt: Im Deutschen schreibt man Dollart mit „t“, im Niederländischen und auf Seekarten mit „d“. Die Gründer des deutsch-niederländischen Vereins einigten sich auf die niederländische Schreibweise.

Fähre: 128.000 Personen seit 1996

Eine Fährverbindung über den Dollart zwischen den beiden Ländern gehört von Beginn an zum deutsch-niederländischen Radwanderkurs. Sie verbindet die Häfen von Ditzum, Emden und Delfzijl. Zuerst fuhr der niederländische Kapitän Pieter Bakker mit der „Twee Gebroeder“, 2008 folgte die „Kommandant“ der Germania Schiffahrt. 2009 gab es ein Jahr ohne Fährverbindung. Seit 2010 ist das Fahrgastschiff „Dollard“ im Einsatz: Bis 2017 wurde es von der Reederei Briese betrieben. 2018 und 2019 wurde das Schiff von der Reederei Freimuth aus Esens gefahren. Seit 2020 betreibt es die Baltrum-Linie. Insgesamt beförderten die drei Schiffe rund 128.000 Personen und 75.000 Fahrräder.

Radreisen mit oder ohne Gepäcktransfer

Seit 1997 lassen sich Radreisen mit oder ohne Gepäcktransfer buchen. Rund 3.400 Gruppen mit 14.900 Personen nutzten das Angebot. Die meisten Gäste fahren allerdings auf eigene Faust und nutzen dafür das bereitgestellte Informationsmaterial der Dollard Route. Der Verein bietet außerdem Bustagesfahrten an. Das aktuelle Programm führt zum Dollartmuseum in Bunde, zum Privatgarten „Tuinfleur“ in Oostwold (2026 zum letzten Mal), nach Appingedam und auf eine Schifffahrt auf dem Oldambtmeer.

Zwischen Watt, Warften und Schlössern

Neben der Fähre zeichnen die Route ihr einizgartiger grenzüberschreitender Verlauf und die Anbindung an Borkum aus, die größte ostfriesische Insel.

Die Route verläuft in Bögen immer wieder an den Dollart und die Emsmündung. Dort begegnen Radfahrenden die Geschichte des Deichbaus und der damit verbundenen Landgewinnung, die Seefahrt, Fischerei sowie das Weltnaturerbe Wattenmeer. Die Bögen ins Binnenland führen durch Warftendörfer, vorbei an Kornfeldern und durch gepflegten Landschaften. 

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen zum Beispiel die Hängenden Küchen in Appingedam, die Altstadt von Leer, eine der längsten Fahrradbrücken Europas bei Winschoten (Pieter Smitburg), die Meyer Werft in Papenburg, zahlreiche kleine Schlösser in den Niederlanden, die Nordseeinsel Borkum. 

Route wächst von 180 auf 354 Kilometer

Zur Eröffnung war die Route rund 180 Kilometer lang, heute misst sie 354 Kilometer. 2002 trat Slochteren bei und bereicherte die Route um das Schloss Freaylemaborg. 2012 kamen Eemsmond, Loppersum und die Insel Borkum dazu. Seitdem bietet der Verein Radreisen mit Gepäcktransfer bis auf die Nordsee-Insel an. 2024 und 2025 folgten Midden-Groningen und Het Hogeland. Jährlich nutzen rund 10.000 bis 12.000 Radfahrerinnen und Radfahrer die Route als Mehrtagestour, als Sternfahrt oder Tagesausflug. 

Modell mit Vorbildcharakter & Ausblick

„Das Erfolgsrezept ist Kontinuität über die Jahre und Präsenz am Markt“, sagt Ulrich Schmunkamp, IDR-Geschäftsführer. Hemmo Philbert bei, ehemaliger Tourismusreferent der Gemeinde Scheemda und einer der Initiatoren der Dollard Route in den Niederlanden ergänzt: „Die Qualität zählt und die ist von Beginn an gut.“ 

Der Verein will das Angebot attraktiv halten und ausbauen: Potenzial sieht Schmunkamp bei der Bahnstrecke „Wunderline“. Dafür brauche es attraktive Kombi-Tickets für Radfahrende. Auch bei niederländischen Gästen sieht er Möglichkeiten, denn bislang kommen rund zwei Drittel der Radtouristen aus Deutschland.

Die Europäischen Union unterstützt die Route bis heute: Der Verein nahm seit der Gründung an mehreren Interreg-Programmen teil. Im aktuellen Programm 6a „WattenVision" entstehen unter Federführung des Ökowerks aus Emden naturnahe Rastplätze entlang der Route etabliert. So erfährt die Route eine weitere Aufwertung.

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